Andacht zum 9. Sonntag nach Trinitatis - Pastor Axel Rothermund, Harsefeld

Monatsspruch für August:„Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele“. So heißt es in Psalm 139, Vers 14.

Liebe Leserinnen und Leser! Der Monatsspruch für August passt gut  in die Urlaubszeit. Im Urlaub kommen wir zur Ruhe. Im Urlaub kommen wir zu uns selbst. So ist wenigstens der Plan. Der Urlaub bietet uns die Chance, einmal innezuhalten. Wir müssen nicht schon wieder etwas tun. Wir können einmal in Ruhe nachdenken über uns und unser Leben.

Der 139. Psalm ist eine einzige Meditation über unser Leben. Da spricht uns jemand vor, wie das aussehen kann, wenn wir Bilanz ziehen. Wenn wir zurückblicken und uns klar werden, wo wir eigentlich gelandet sind mit unserm Leben.

Das spannende dabei ist, das hier nicht jemand einfach nur Nabelschau betreibt. So eine Nabelschau kann nämlich leicht in die Irre führen. Man bleibt bei sich selbst und es ändert sich nichts.

Der Psalmbeter macht es anders. Er betrachtet sein Leben im Angesicht Gottes.

„ HERR, du erforschest mich und kennest mich. Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne. Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege“. So beginnt er seine Betrachtung.

So möchte ich das auch tun, wenn ich im Urlaub die Gelegenheit dazu habe.

Ich erinnere mich noch gut daran, wie mir das einmal gelungen ist. Ich lag auf meiner Liege und las ein kleines Büchlein. Dann legte ich es neben mich und machte eine kleine Pause. In dem Moment kam ein anderer Urlauber vorbei und sah sich das Büchlein an. „Ach“, sprach er mich an „Sie lesen ein Buch von Reinhard Deichgräber? Den lese ich auch sehr gerne. Der hat wirklich etwas zu sagen“.

Das fand ich damals sehr witzig. Dass da auf Kreta zufällig jemand rumlief, der mein Buch kannte. Das Buch heißt „Stufen des Glaubens – Stufen des Lebens“. Einen Satz für Menschen in der mittleren Lebensphase habe ich mir damals unterstrichen. Er lautet ungefähr so:

„Eine der schwierigsten Aufgaben, die das Leben fast jedem stellt ist: sich mit seiner eigenen Durchschnittlichkeit zu versöhnen. Die tiefeingewurzelte Vorstellung, wir müssten Überragendes leisten, muss bei dieser Gelegenheit sterben“.

Und weiter heißt  es in dem Buch: „Wer weiß, dass er mit all seiner Durchschnittlichkeit im Buch des Lebens steht, wird kein Verlangen mehr haben, ins Guinness Buch der Rekorde zu kommen, auch nicht ins Guinnessbuch der frommen Leistungen, falls ein solches irgendwo existieren sollte.“

Soweit die Worte von Reinhard Deichgräber.

Noch heute atme ich auf, wenn ich diese Zeilen lese.

Könnte es sein, dass auch der Durchschnittsmensch „wunderbar“ ist? Oder müssen wir uns unser Leben lang nach der Decke strecken? Jede gewöhnliche Wiese kann uns die Antwort auf diese Frage zeigen.

 

Auch das ist ein Urlaubsbild:

Ich lege mich genüsslich auf eine grüne Wiese und genieße den blauen Himmel über mir. Um mich herum schaue ich die grünen Halme an. Obwohl sie kaum zu unterscheiden sind, ist keiner wie der andere. Grashalme, lauter ganz gewöhnliche Grashalme, alle nur Durchschnitt in Größe und Gestalt. Und gerade, wenn das Gras frisch gemäht ist, finden wir diesen Durchschnitt besonders schön. Aber eben diese unzähligen Halme, die nur Durchschnitt sind, bilden die Wiese, auf der ich gerade in schönster Urlaubsstimmung liege.

Offenbar hat der liebe Gott eine Vorliebe für das Gewöhnliche und das Durchschnittliche. Und darum wimmelt es überall von köstlich normalen Wesen, Wesen wie Du und ich.

Amen.

Axel Rothermundt ist Pastor in Harsefeld und seit Juni 2018 Mitglied im Vorstand der Stader Bibel- und Missionsgesellschaft e.V.

 

Andacht zum 8. Sonntag nach Trinitatis - Pastorin Sonja Domröse, Stade

Wie so oft war es auch in dieser Nacht gegen Morgen ziemlich kalt geworden. Es war zwar schon Mai, aber die Nächte waren noch empfindlich kalt, manchmal sogar frostig. Im Zelt, unserer großen Pfadfinder-Jurte, lagen wir dicht aneinander in unseren Schlafsäcken. So war es wenigstens ein wenig wärmer.

Aber da brannte in der Mitte ja auch noch das Lagerfeuer, an dem wir abends noch zusammengesessen hatten und bis tief in die Nacht hinein über Gott und die Welt gesprochen hatten. Wie es so 18-, 19-Jährige eben machen.

Morgens dann, wenn wir Glück hatten, glimmte das Feuer noch schwach und wer als Erste wach wurde, nahm einen trockenen Zweig und entfachte das Feuer von neuem, damit allen wieder rasch warm wurde und es nicht allzu viel Überwindung kostete, aus dem warmen Schlafsack zu schlüpfen und über das vom Tau noch feuchte Gras in den kühlen Mai-Morgen zu stapfen.

Das wärmende Feuer war bei jedem unserer Lager der Mittelpunkt, denn hier wurde gekocht, gegessen, gesungen, miteinander gelacht und auch oft gestritten, hier kamen wir als Pfadfinder-Gruppe zusammen.  Und dieses Bild vom Lagerfeuer kam mir in den Sinn, als ich diese Bibelworte las:

Darum rufe ich dir ins Gedächtnis: Entfache die Gnade Gottes wieder, die dir durch die Auflegung meiner Hände zuteilgeworden ist! Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. 2. Timotheus, 6-7

 Ein schönes Wort gleich zu Anfang: „Entfache die Gnade Gottes wieder!“

Entfachen ist etwas Zartes und Behutsames. Dort wo es nur noch glimmt, sorgt das Entfachen dafür, dass ein Feuer wieder anfängt zu lodern und Flammen schlägt.

Das Bild des Feuers begegnet uns in der Bibel ja an vielen Stellen, wenn es um Erfahrungen mit Gott, seiner Kraft und Energie geht.

Da ist der lodernde Dornbusch, aus dem heraus Gott zu Mose spricht und ihm den Auftrag gibt, sein Volk Israel aus der ägyptischen Gefangenschaft zu führen.

Nachts leitet Gott sein Volk in einer Feuersäule durch die Wüste, auf dem Weg in das gelobte Land, damit sie den Weg finden.

Der Heilige Geist, Gottes schöpferische Kraft, setzt sich an Pfingsten auf die Schar der verängstigten Jünger Jesu wie kleine Feuerflammen und sie beginnen, in den verschiedensten Sprachen der Erde Menschen von Jesus zu erzählen, von der Liebe und der Gnade Gottes, die mit diesem Jesus von Nazareth für alle offenbar geworden ist.

„Entfache die Gnade Gottes wieder“

Auch heute ist Gottes Kraft und Energie an vielen Orten zu spüren. Denn wie Viele setzen sich ehrenamtlich für andere ein und entfachen damit Mitmenschlichkeit, Wärme und Gemeinschaft. Manchmal ist es vielleicht eher wie ein unscheinbares Glimmen und manche wollen auch nicht viel Aufhebens aus ihrem Engagement machen. Und doch haben sie damit Anteil an der Energie, dem Feuer Gottes.

Ob es nun glimmt oder auch richtig lodert, als christliche Gemeinde wollen wir etwas weitergeben von der Liebe Gottes.

Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.

 Gottes Gnade ist uns geschenkt. Oder um es im Bild des Entfachens zu sagen: Wir haben nicht das Zündholz in der Hand, mit dem wir das göttliche Feuer zum Leuchten und Lodern bringen können. Aber wir können aus der Glut der göttlichen Gnade immer wieder Funken schlagen und seine Gnade zum Entflammen bringen.

Es grüßt Sie herzlich

Ihre  Sonja Domröse, Pastorin und stellv. Vorsitzende der Stader Bibel- und Missionsgesellschaft

Andacht zum 7. Sonntag nach Trinitatis - Pastor Axel Rothermund, Harsefeld

Abendmahl aus der Tüte

Wir haben es getan. Nun schon zum zweiten Mal. Wir haben im Gottesdienst Abendmahl unter Corona-Bedingungen gefeiert. Das meiste war so, wie gewohnt: Auf dem Altar standen die Abendmahlsgeräte. Bis zum Abendmahlsteil bedeckt mit dem Velum, einem weißen Leinentuch. Zur Abendmahlsliturgie wurde das Tuch abgenommen. Bei der Liturgie wurde, wie gewohnt der Teller mit den Oblaten und der Kelch erhoben. Nur bei der Austeilung hieß es nicht: „Und nun kommt, denn es ist alles bereit“. Denn jeder blieb an seinem Platz. Es hieß nur: „Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist. Wohl dem, der auf ihn traut.“ Und nun kamen die Tüten ins Spiel. Jeder hatte am Eingang eine Tüte mit einem Abendmahlssymbol bekommen. Darin befand sich – hygienisch verpackt – eine Oblate und eine Weintraube. Die Tüte sollte mit an den Platz genommen werden, damit jeder sie bei der Austeilung vor sich hatte.

Nun wurde sie geöffnet. Zu den Worten „Christi Leib für Dich gegeben“ haben wir dann gemeinsam die Oblate gegessen. Danach, zu den Worten „Christ Blut für Dich vergossen“, wurde gemeinsam die Weintraube verspeist. Danach hieß es: „Das stärke und bewahre Dich im Glauben zum ewigen Leben. Amen.“

Was meinen Sie – durften wir das so machen? War das ein einsetzungsgemäßes Abendmahl? Die Teilnehmer haben jedenfalls überwiegend positiv reagiert. Als Pastor habe ich selten eine so intensive und konzentrierte Abendmahlsfeier erlebt. Mache, die gemeinsam in der Bank saßen, haben sich die Abendmahlsgaben sogar gegenseitig gereicht. Gerade in Corona-Zeiten brauchen wir die Stärkung durch das Abendmahl ganz besonders.  Vielleicht ist das Abendmahl aus der Tüte eine Möglichkeit dazu.

Axel Rothermundt ist Pastor in Harsefeld und seit Juni 2018 Mitglied im Vorstand der Stader Bibel- und Missionsgesellschaft e.V.