Andacht 18. Juli - Pastor Jan Wutkewicz, Markus - Kirchengemeinde Stade
 
 

Zehntausend

Soll man jetzt die Konsole mit den Computerspielen mitnehmen in den Urlaub oder nicht? Das hängt ja davon ab, ob die gemeinsame Zeit in der Familie wichtiger ist oder die Erholung voneinander, zumal wenn es regnen sollte (schreiben Sie mir, wie Sie es machen, ich bin für jeden Rat dankbar). Der FotoApparat muss dagegen auf jeden Fall mit, falls Sie dafür nicht schon aufs Handy umgestiegen sind. Aber soll es dann lieber das dritte Paar Schuhe sein oder doch vorsichtshalber eine warme Jacke, es kann auf der Wasserkuppe (950m) oder abends im Strandkorb schon mal kühl werden. Die Urlaubszeit bringt, wenn man wegfährt in diesen Wochen, eine gewisse Reduktion mit sich. Abhängig davon, welches Verkehrsmittel uns ans Ziel bringt, können es nicht mehr als 20 kg sein, oder was Kofferraum und die Taschen am Gepäckträger fassen. Das ist eine gute Gelegenheit, mir zu überlegen, worauf ich nicht einmal für zwei Wochen verzichten kann. Eine Strategie ist, erstmal alles zusammenzusuchen und auf dem Esstisch auszubreiten, „ich muss es sehen“, und dann entweder noch zuzulegen oder doch wieder auszusortieren. Am Ende kommt immer ein Koffer mit Spielzeug dazu, Kescher und Sandschaufel und natürlich die Box mit Resten aus dem Kühlschrank. Die Auswahl ist auch deshalb so schwierig, weil jede und jeder von uns statistisch gesehen mehr als 10.000 Gegenstände besitzt (vor rund 100 Jahren kam ein Haushalt mit weniger als 200 Sachen aus…). Zählen Sie mal nach: wenn Sie jede Socke einzeln rechnen und alle Gabeln und Sofakissen, kommen Sie schnell da an. Wenn LegoSteine einzeln zählen, erhöhen Kinder den Schnitt sogar noch. Natürlich ist nicht alles davon gleich wichtig, aber erstaunlicherweise fällt es schnell auf, wenn etwas davon weg ist. Das gilt für ein Ladekabel genauso wie für den Impfpass, und wer hat sich eigentlich meine LieblingsCD ausgeliehen? Wozu es keine Zahl vom Statistischen Bundesamt gibt: wie viele Erinnerungen wir mit uns herumtragen. Viele, gerade schöne, haben gewiss auch mit Urlauben zu tun, aber es sind natürlich ungezählte mehr, frohe und auch schwere. Und auch sie können verloren gehen, schwerer zu greifen sein mit der Zeit, sie verändern sich außerdem. Wenn zwei etwas zusammen erlebt haben, werden sie trotzdem unterschiedlich davon erzählen. Bei mir sind es immer zuerst die Namen, die ich vergesse. Kürzlich fiel mir eine Szene aus einem Buch ein, die ich nicht mehr richtig zusammenbekam, aber ich habe sie bisher nicht wiederfinden können. Irgendwo im Buchregal muss sie sein. In der vergangenen Woche ist Esther Bejarano gestorben. Ich hoffe, Sie haben von ihr gehört, bis zuletzt war immer Gelegenheit dazu. Sie wurde1924 in Saarlouis geboren, lebte in Hamburg und überlebte die Konzentrationslager Auschwitz und später Ravensbrück. In Auschwitz spielte sie im Mädchenorchester Akkordeon, das hat sie erst dort mit dem Instrument in der Hand gelernt. Als Mahnerin gegen Gewalt und Faschismus hat sie sich bis zu ihrem Tod engagiert, war aktiv im Internationalen AuschwitzKomitee und im Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten. Laut ihrer Familie ist sie im Alter von 96 Jahren friedlich eingeschlafen, ohne leiden zu müssen, und das ist ein tröstlicher Gedanke für jemanden mit dieser Biographie bei allem Leid, das sie als junge Frau erfahren musste .Dass ihre Stimme nun verstummt, wird von allen Seiten bedauert, außer natürlich von denen, die meinen, es sei doch schon lange vorbei, was damals geschehen ist, und damit sei es auch gut. Als wären diese Erinnerungen nicht wichtig, als könnten wir sie vergessen, als fiele es nicht auf, wenn wir die Lehren einfach verlegten und nicht mehr danach fragten. Ich glaube, es würde schnell auffallen, wenn wir diesen Teil unseres Gedächtnisses aufgäben.

Über all die, die sich an seinen Bund halten, sagt Gott: Ich will ihnen in meinem Hause und in meinen Mauern ein Denkmal und einen Namen geben; das ist besser als Söhne und Töchter. Einen ewigen Namen will ich ihnen geben, der nicht vergehen soll.Nach dieser Verheißung beim Propheten Jesaja (Jes 56,5) gibt es in Jerusalem eine Gedenkstätte für die Opfer der Vernichtung jüdischen Lebens im Nationalsozialismus, Yad Vaschem (ידושם, wörtlich „Hand und Name“, wobei Hand dann Zeichen und Denkmal bedeutet). Dort werden Bilder gezeigt, auch sind Gegenstände ausgestellt, die an diese Zeit erinnern, die Namen der Opfer werden bewahrt, in der Allee der Gerechten unter den Völkern wird derer gedacht, die zu helfen bereit waren. Das alles zusammen drückt die Gewissheit aus, dass Gott unserer gedenkt und wir zu ihm gehören. Gewiss führen nicht alle Urlaube nach Israel oder nach Polen, um dort solche Erinnerungen in das eigene Gedächtnis aufzunehmen und zu bewahren. Aber überall gibt es Zeugnisse der Geschichte und Kultur, sogar wenn man zuhause Urlaub macht. Und damit gibt es auch Gelegenheit, einen Tag davon oder jeden Tag etwas Zeit auch solchen Eindrücken zu widmen, damit wir der Aufgabe gerecht werden, die immer bei den jetzt Lebenden liegt: Erinnerungen zu schaffen, die in die Zukunft reichen. Sie gehören zu dem, was unverzichtbar ist. Besser, wenn wir sie nicht vergessen und verlieren! Damit wir etwas mitnehmen, hinzufügen und weitertragen. So halten wir unsere Dankbarkeit wach, dass wir uns ohne weiteres im Frieden mit zehntausenden Dingen umgeben können und mit noch mehr Erinnerungen. Oder lenkenden Blick dorthin, wo ein Großteil der Bevölkerung schon mit wenigen einfachen Dingen zufrieden wäre ,mit sauberem Trinkwasser etwa oder demokratischen Freiheiten. In manchen Urlaubsländern könnte man sie schon rings um das AllInclusiveHotel finden. Aber auch vor der eigenen Haustür bleibt genug zu tun. Keine Sorge, zum Urlaub und zum Sommer gehören die unbeschwerten Tage und Wochen, gehören Eis und Sonnenschein. Ich wünsche Ihnen davonreichlich, Zeit für Muße, die uns neue Kraft schöpfen lässt. Wenn alle diese Eindrücke zusammen 10.000 und mehr sind, dann werden sie gewiss noch im Herbst und länger Neues in Bewegung setzen. Genießen Sie den Sommer mit allen Momenten, die in Erinnerung bleiben!

Pastor Jan Wutkewicz – Markus – Kirchengemeinde Stade

 

 

 
Andacht 11. Juli - Pastor Christian Kurzewitz, Johannis Kirchengemeinde Stade

Butter bei die FischeWer diesen Sonntag in einen evangelischen Gottesdienst geht, wird vermutlich etwas zum Thema Taufe hören. Denn dazu sind dieses Wochenende die Bibeltexte ausgesucht. Ich jedenfalls werde über die Aufnahme von meist jungen Christenmenschen in die Kirche predigen, allerdings ohne an genau diesemTag jemanden zu taufen. Sokann ichDinge beleuchten, die eher weniger Raum bekommen, wenn eine Familie festlich gekleidet um den Taufstein steht: nämlich das Halten der Gebote.Der Fisch seit alter Zeit ein Symbol für uns Christen. Wenn man so will, wird man durch die Taufe in den großen Schwarm der Fische aufgenommen, wenn man das Wasser dreimal auf die Stirn bekommt. Man gehört dazu. Ist gesegnet. Steht unter Gottes Schutz. Aber auch Aufgaben gehören dazu. Fische sollen ja nicht nur blind und unwissend mitschwimmen.Man soll die Gebote Gottes kennen.Darum gibt es den Unterricht, wie z.B. im Konfer.Vor ein paar Tagen habe ich mich mit fünf Teamerinnen aus unserer Gemeinde zu einem Interview für den nächsten Gemeindebrief getroffen. Sie haben gerade mit demUnterricht für ihre Ausbildung zur Lektorinbegonnen.Ihr erstesvon fünf Blockwochenendenhatten sie hinter sich. „Das hat richtig Spaß gemacht und wir haben viel gelernt“ meinten sie. „Aber das Programm war ganz schön straff. Es gab echt viel Input. Man muss schon motiviert sein. Aber das sind wir auch.“ Ich war beeindruckt. Zwischen Schule und Arbeit noch freiwillig Theorie und Vorträge anhörenalle Achtung. „Ich möchte eben das weitergeben, was mir selbst Kraft gibt“, meinte eine von ihnen am Schluss.Mit diesen Eindrücken lese ich den Predigttext für Sonntag: „Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.“ (Mt 28,19)

Christian Kurzewitz, Pastor in der Johannisgemeinde. Die Johannis-Kirchengemeinde ist seit 1950 Mitglied der Stader Bibel- und Missionsgesellschaft.

 

 

 
Andacht 19. Juni 2021 - Pastorin Dorlies Schulze, Cosmae-Kirchengemeinde Stade

Gedanken zum Sonntag am 19. Juni 2021 Mann Mama, du bist echt lostso sagt es manchmal unser Sohn in leicht genervtem Ton zu mir, wenn ich irgendwas aus seiner Gedankenwelt von Schule, Computerspielen oder Musik nicht sofort verstehe und ihn dann ein bisschen verlorenansehe. Du bist echt lost, Mama.“Ums Verlorengehen und Verlorensein geht es am morgigen Sonntag.Die bekannten Geschichten aus dem Lukasevangelium vom verlorenen Schaf und verlorenem Geldstück sind Predigttext. Dass etwas verlorengeht kennen wir alle: mal ist das Portemonnaie nicht zu finden, dann der Autoschlüssel, besonders beliebt ist auch das Handy. Oft finden wir die Dinge nach kleinerem oder mittleren Suchaufwand wieder. Wir freuen uns. Finden ist so schön.Manchmal geht aber mehr verloren: die Heimat zum Beispiel.Morgen ist Weltflüchtlingstag. Dasind Menschen im Blick, die alles verloren haben und sich auf die Suche nach einer Bleibe machen, wo sie sicher sind, auf die Suche nach Frieden, nach einem Auskommen, nach Anerkennung und einem Leben in Würde. Millionen Menschen sind auf dieser schweren Suche, die oft große Risiken birgt, die auch oft genug das Leben kostet, die nur selten die Freude des wirklichen Findens mit sich bringt. Wir wissen darum, sehen es immer wieder in den Medien. Verlieren wir diese Menschen nicht aus dem Blick, nicht nur am Weltflüchtlingstag. Beten wir für sie und tun wir das Unsere, umdazu beizutragen, dass Geflüchtete hier bei uns neu Heimat finden können.Dazu gehört auch, die zu hören, die sich hier als Verlierer fühlen und die nicht freundlich auf die Fremden sehen, denen vermeintlich mehr Aufmerksamkeit gegeben wird, als ihnen und die deshalb wütend darüber werden. Auch sie dürfen wir nicht verloren geben, sondern müssen immer wieder das Gespräch suchen, so wie Jesus es auch getan hat mit den Schriftgelehrten und Pharisäern. Da heißt es:den Faden nicht abreißen lassen, die eine Not nicht mit der anderen aufwiegen. Auch bei uns selbst gehen schwerwiegendere Sachen verloren, als der Zettel mit dem Frisörterminoder der Impfpass. Die Arbeitsstelle beispielsweise, die Gesundheit, eine Liebe, das Vertrauen, der Mut, die Gerechtigkeit, die Hoffnung, auch der Glaube. Auch da ist es mit dem Widerfinden nicht so einfach. Manchmal schaffen wir das auch nicht allein, sondern brauchen Unterstützerinnen und Unterstützer. Menschen, die unsere Not sehen und ernst nehmen, die hören und mit uns nach Wegen suchen, das Verlorene wiederzufinden oder eine Möglichkeit, ohne das Verlorengegangene zurecht zu kommen, oder auch, ganz neu anzufangen. Im Evangelium für morgen steht: Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.(Lk 15,10) Diebeiden Gleichnisse Jesu vom

 

wiedergefundenen Schaf und dem wiedergefundenen Geldstück erzählendavon, dass Gott das Verlorene nicht aufgibt, sondern dass er dem Verlorenen oder den Verlorenen nachgeht, bis er es, bis er sie findet.Das tut so gut, zu hören. Immer wieder willich mich daran erinnern.Gott sucht das Verlorene. Er sucht uns. Er hat Sehnsucht nach uns, will uns in seine Arme schließen. Will uns nicht aufgeben, auch wenn wir uns vielleicht für einen Moment aufgegeben haben. Ja, Gott sucht das Verlorene. Gott sucht mit uns nach Wegen, die aus Einsamkeit führen, die aus einer angstvollen Situation herausführen, die aufdecken, was uns niederdrückte, die Unrecht ans Licht bringen, die Verfahrenes ordnen, die aus alten Strukturen befreien und einen neuen Anfang ermöglichen.Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.Was für eine herrliche Verheißung. Ich atme auf. Gott sucht nach uns, nach dir und mir. Er gibt uns nicht verloren. Lassen wir uns von ihm finden, von seiner Liebe. Amen.

Ihnen und euch allen ein gesegnetes Wochenende.Dorlies Schulze

 
 
Dorlies Schulze ist Pastorin der Stader St. Cosmae-Kirchengemeinde. Die Kirchengemeinde ist seit 1950 Mitglied der Stader Bibel- und Missionsgesellschaft. Viele schöne Aktionen verbinden uns mit der Cosmae-Kirchengemeinde.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

 
Andacht - Pastor Jan Wutkewicz, Markus Kirchengemeinde Stade
 
 
 

Quasimodogeniti – Wie die neugeborenen Kindlein. Große, also langgewachsene Zeitgenossen ziehen oft unwillkürlich die Schultern ein, wenn sie mit anderen reden, oder wenn sie durch die Tür in einen Raum kommen. Nicht, dass es immer nötig wäre, Platz ist normalerweise genug, und so groß, wie man denkt, ist man meist doch nicht. Aber gerade Heranwachsende müssen ja erstmal rausfinden, wo genau sie eigentlich zu Ende sind. Leider führt das leicht zu einem runden Rücken, der auf den ersten Blick an einen Buckel erinnert. Der Spitzname „Quasimodo“ ist dann nicht mehr weit. Literaturbegeisterte denken an Victor Hugo, aber auch Freunde von Film und Fernsehen kennen den Glöckner von Notre Dame, dessen Geläut alle Pariserinnen und Pariser gerne hörten (als der Glockenstuhl noch stand), wenngleich sie dessen Urheber nicht sehen wollten. Der war übrigens ein Waisenjunge, der am Sonntag nach Ostern vor der Kirche gefunden worden war, und er erhielt seinen Namen dementsprechend, denn dieser Sonntag heißt Quasimodogeniti. Übersetzt bedeutet das „wie die neugeborenen [Kindlein]“, mit diesen Worten beginnt das Lob Gottes im Gottesdienst. Besonders in der katholischen Kirche wird er auch weißer Sonntag genannt, beides hat den gleichen Hintergrund. Die in der Osternacht getauften erwachsenen Gemeindeglieder trugen bis zu diesem Tag ihre weißen Taufkleider, um sich an die Neugeburt der Taufe zu erinnern. Bis heute ist dieser Tag ein traditioneller Termin für die Erstkommunion. Auch die Konfirmationen in der evangelischen Kirche werden seit vielen Jahren eher nach Ostern gefeiert, obwohl es viele Jahre üblich war, die Konfis vorhereinzusegnen, damit sie Ostern erstmals an der Abendmahlsfeier teilnehmen konnten. Vielleicht hat das später bessere Wetter dazu beigetragen, vielleicht sollten die größer werdenden Feiern auch aus der Passionszeit in die Zeit nach Ostern verlegt werden. Aber wer weiß, vielleicht war auch eine Erinnerung und Anknüpfung an die Bedeutung des weißen Sonntags dabei und ein bisschen ökumenischer Geist. Nun verändern sich Traditionen zuweilen, und in diesem Jahr mussten viele Gemeinden die Konfirmationen schon zum zweiten Mal verschieben. Die Markus-Gemeinde wird etwa wie im letzten Jahr auf den Herbst ausweichen, wir hoffen auf einen in jeder Hinsicht milden Sommer. Aber wenn die Welt wieder zu ihrem normalen Lauf zurückfindet, werden wir dabei wohl nicht bleiben. Es hat ja einen guten Grund, dass die Feste ihren festen Platz im Jahreskreis haben. In vielen Jahren hat etwa die Natur schon mitgepredigt, wenn wir Ostern gefeiert haben. Die ringsum ausschlagende und aufblühende Natur macht vielen die Auferstehung begreif-und bestaunbar. Wenn es nicht gerade hagelt und stürmt wie in diesem Jahr, kann es plötzlich schwer sein, noch daran zu erinnern, dass Jesu Auferweckung gerade nicht die Wiederkehr des immer gleichen ist, sondern Gott ein neues Leben schafft, in das er auch uns rufen wird. So hat Gott den Tod besiegt und überwunden, das ist ja etwas mehr, als wenn die Pflanzen und Tiere aus dem Winterschlaf erwachen. Jesus Christus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben, das feiern wir an Ostern –wenn wir denn Gottesdienste feiern können und wollen und dürfen. Ich halte es für ausgeschlossen, dass es ein drittes Ostern unter den gegenwärtigen Bedingungen geben wird oder wieder eine Verlegung der Konfirmation–und zwar für genauso ausgeschlossen wie vor einem Jahr, dass es in diesem Jahrein zweites Mal passieren würde. In einigen Gemeinden fanden immerhin hygienische Versammlungen mit Abstand statt, wurde gepredigt und Musik gespielt –aber bis zum gemeinsamen und gemeinschaftlichen Gotteslob ist es wohl noch etwas hin, bis wir wieder singen dürfen und hinterher beim Kaffee über Gott und die Welt miteinander sprechen.

Umso mehr können wir, alle, als getaufte Kinder Gottes, als Christinnen und Christen, in dieser österlichen Freudenzeit dazu beitragen, dass die größte Hoffnung, die beste Nachricht, die offenste Liebe nicht die Schultern einzieht und sich lieber still verhält! Denn wir haben ja etwas weiterzusagen, dass uns Grund zu Freude und Zuversicht gibt. Da mag die Stimmung auch mies sein angesichts der ungewissen Aussichten; da mag die Politik überfordert sein, wie die Entwicklungen und Umfragen zu verstehen sind, da mögen wir Netflix oder die ARD-Mediathek durchgeguckt haben und langsam vergessen, wie unsere Freunde aussehen und wie man eine Gartenparty organisiert, die Welt ist dennoch nicht immer Karfreitag. Genaugenommen ist die Welt noch nicht einmal immer Ostern, mit der Frage, was das leere Grab zu bedeuten hat, mit der Sorge, wo Jesus geblieben sein mag, mit der Unsicherheit, ob und wie es nun weitergehen wird und wir das glauben können, was wir da sehen und hören. Die Welt ist meist eher Quasimodo, oder mit dem Sonntag danach Misericordias Domini, also zum Gotterbarmen; sie ist zum Glück oft genug Jubilate und Kantate; sie ist meist einfach Alltag. Aber ein solcher Alltag, der im Licht der Auferstehung steht, in dem wir mit der Gnade und der Zuneigung Gottes leben, sogar am 111. Sonntag nach Trinitatis mitten im Sommer. Im Moment möchten wir langsam gerne wieder mit dem Alltag tauschen, den wir bis vor etwas mehr als einem Jahr mal hatten, wenigstens mit dem davon, was wir daran mochten. Das wird auch wiederkommen, so gewiss, wie wir Ostern feiern, Taufen und Konfirmationen begehen, Gelegenheit haben, die weißen Kleider und andere feierliche Aufzüge rauszuholen. Wollen wir hoffen, dass sie dann alle noch passen und wir nicht die Schultern und anderes einziehen müssen und noch durch die Türe kommen –und dass unser Gesichtsausdruck zum Anlass passt und Freude zeigt. Als kirchlicher Alltag bleibt uns so oder so erhalten, dass jeder Sonntag ein kleines Auferstehungsfest ist, denn wir leben in der Nähe und im Licht von Ostern. Das ist das Geheimnis des Glaubens: Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit.

Amen.

Pastor Jan Wutkewicz

Die Stader Markuskirchengemeinde ist seit den 70-er Jahren Mitglieder der Stader Bibel- und Missionsgesellschaft. Auf ihrem Altar liegt die „Stader Bibel“ – ein Geschenk der Stader Bibel- und Missionsgesellschaft  zur Einweihung der Kirche im September 1965.

Die Bibel des Stader Generalsuperintendenten D. Johannis Dieckmann wird in Stade gedruckt, in der heutigen Hansa Druckerei Stelzer. Zunächst erscheint 1690 eine erste Oktavbibel, 1701 folgt die Foliobibel im Altarformat. 1710 verwendet die frisch gegründete Cansteinische Bibelanstalt in Halle den Text als Grundlage für ihre Bibelausgaben. Über diesen Weg kommt es auch zur Übersetzung in zahlreiche Sprachen.
So bildet die „Stader Bibel“ den Ausgangspunkt der ersten Weltbibel, die international erscheint. (Sebastian Möllers.)

 
Andacht - Pastorin Dorlies Schulze, St. Cosmae-Kirchengemeinde Stade
 
 

Der Herr ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden – Halleluja!

Liebe Mailgemeinde,

so rufen wir es morgen frei und fröhlich am Ostertag, wenn die Glocken wieder läuten, die Orgeln wieder spielen und vielerorts Präsenzgottesdienste zum Osterfest stattfinden.

Ich freue mich schon darauf. Ich freue mich auf den Frühgottesdienst in St. Cosmae morgens um 6.00 Uhr, wenn es zu Beginn noch sehr schummrig sein wird und nach und nach das Licht des Ostermorgens, das Licht der Auferstehung in die Kirche und in unsere Herzen einziehen wird. Ich bin wirklich kein Frühaufsteher – aber einmal im Jahr muss es sein und es lohnt sich so. Ja, es wird anders sein, als wir uns wünschen, ohne einen persönlichen Segen mit Handauflegung, ohne Abendmahlsgemeinschaft, aber doch mit einem kleinen Vorgeschmack darauf. Immerhin – in diesem Jahr können wir zu unserem wichtigsten Fest wieder in unseren Kirchen feiern – das ist doch wahrlich ein Osterfunken.

Ein früher Osterfunken blitzte für mich am vergangenen Sonntag beim Gottesdienst zu Palmarum für mich auf. Meine Kollegin Johanna Wutkewicz und ich feierten einen fröhlichen Gottesdienst zum Thema Begeisterung und irgendwie waren wir selbst auch ganz begeistert dabei, wie auch unser Kantor Martin Böcker und auch die sich an unserer Begeisterungs-Umfrage beteiligende Gemeinde. Da war Leben, geteilte Freude und Gemeinschaft trotz Abstand und Masken.

Ein weiter Osterfunken leuchtet bei unserer kleinen Aktion “Osterkreuz“ hervor, auch für Sie und euch. Einige Kinder unserer beiden Kitas Arche und Cosmae-Spatzen und Kinder des Kindergottesdienstes haben Kisten gestaltet, die zusammen ein Osterkreuz ergeben. Dafür haben wir beim Obstbauern Meyer in Hollern 6 Apfelkisten ausgeliehen und zu verschiedenen Geschichten aus Jesu letzten Tagen gestaltet. Die unterste Kiste erzählt den Einzug in Jerusalem mit begeistert winkenden Playmobilmännchen und Jesus auf einem Esel. Die zweite Kiste zeigt das letzte Mahl Jesu: um einen festlich gedeckten Tisch sind in Schale geworfene Wikinger, Polizisten und Piraten zu sehen und ganz vorn wäscht Jesus einem Jünger mit Augenklappe die Füße in wild schäumendem Wasser – da wird diese Geschichte nochmal ganz neu geschrieben. Darüber betet Jesus im bunt erblühten Garten Gethsemane. Und ein großer roter Mund erzählt vom Kuss des Judas. In der vierten Kiste kräht laut ein bunter Hahn und Petrus steht traurig und verloren im Hof. Daneben steht die fünfte Kiste – beide ergeben den Querbalken des Osterkreuzes –  und sie zeigt den Hügel von Golgatha mit den drei Kreuzen und vielen Tränen, die um Jesus damals bis heute geweint wurden. Ganz oben leuchtet hell und bunt die Kiste der Auferstehung. Das Grab ist leer, der Stein weggerollt und ein fröhlicher Engel steht dabei.
Das wunderschöne Osterkreuz können Sie sich bei einem Osterspaziergang gern ansehen, es steht im Schaufenster unserer christlichen Buchhandlung „Kapitel 17“ in der Hökerstraße. Die Geschäftsführerin Christiane Huß war sofort begeistert von der Idee und hat uns dafür eines der Fenster zur Verfügung gestellt – auch dies ein Osterfunken.

Und heute bekam ich am Ende eines täglich beschrittenen Whatsapp-Passionsgebetsweges eine Osterfunken-Karte, dieses Mal nicht auf dem Handy, sondern ganz echt mit versteckten Blumensamen, ich bin gespannt, was daraus wird und dankbar für diese Psalmgebets-Aktion, die eine Handygemeinde miteinander verband und es immer wieder in mir leuchten ließ.

Und wenn man derzeit rausgeht und Stade und Umgebung erkundet, blüht und spießt es überall, das Leben bricht sich Bahn in den Parks, den Schwingewiesen, Mooren, kleinen Wäldchen und an der Elbe – überall winzige Osterfunken.

Ich hoffe, auch Sie haben schon manchen Osterfunken entdeckt. Gerade in dieser Zeit ist es so wichtig und wohltuend, nach diesen kleinen Zeichen des Lebens, des Auferstehens und des Mitgehens Gottes Ausschau zu halten.

Vielleicht besuchen Sie morgen einen Gottesdienst oder sehen sich einen im Fernsehen an. Vielleicht mögen Sie den Plakat-Kreuzweg in der Stadt nochmal abgehen und sich dort einen blumigen Ostergruß und einen Ostersegen abholen. Und dann trauen Sie sich ruhig in den alten Osterruf einzustimmen:
Der Herr ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden – Halleluja!

Und die ganz Mutigen tanzen vielleicht J:  Das unten stehende Lied lädt dazu ein.

Ostern – Gott sagt JA zum Leben.

(das Lied könnt ihr auf youtube in verschiedenen Varianten finden, ich finde es ganz hübsch von zwei Mädchen interpretiert unter:
Wir stehen im Morgen NL 219 Öhringen Bezirkskantorat)

1 Wir stehen im Morgen. Aus Gott ein Schein durchblitzt alle Gräber. Es bricht ein Stein.
Erstanden ist Christus. Ein Tanz setzt ein.
Refrain: Halleluja, Halleluja, Halleluja, es bricht ein Stein.
Halleluja, Halleluja, Halleluja, ein Tanz setzt ein.

2 Ein Tanz, der um Erde und Sonne kreist: Der Reigen des Christus, voll Kraft und Geist.
Ein Tanz, der uns alle dem Tod entreißt.
Refrain: Halleluja, Halleluja, Halleluja, es bricht ein Stein…

3 An Ostern, o Tod, war das Weltgericht. Wir lachen dir frei in dein Angstgesicht.
Wir lachen dich an, du bedrohst uns nicht.
Refrain: Halleluja, Halleluja, Halleluja, es bricht ein Stein…

4 Wir folgen dem Christus, der mit uns zieht, stehn auf, wo der Tod und sein Werk geschieht,
im Aufstand erklingt unser Osterlied.
Refrain: Halleluja, Halleluja, Halleluja, es bricht ein Stein…

5 Am Ende durchziehn wir, von Angst befreit, die düstere Pforte, zum Tanz bereit.
Du selbst gibst uns, Christus, das Festgeleit.
Refrain: Halleluja, Halleluja, Halleluja, es bricht ein Stein…

Herzliche Grüße und gesegnete Ostern wünscht Ihnen und euch Dorlies Schulze

Die Stader St. Cosmae-Kirchengemeinde ist seit den 50-er Jahren Mitglieder der Stader Bibel- und Missionsgesellschaft.

 

 
 
 
 
Andacht - Pfarrer Tim Keßler, Heilig Geist Gemeinde Stade

 
Liebe Mailgemeinde!
Nun geht es in den Endspurt!Mit dem 5. Fastensonntag beginnt die unmittelbare Vorbereitung auf die Kar- und Ostertage. In diesem Schlussspurt wird unser Augenmerk besonders auf die Passion, die Leidensgeschichte, Jesu gelenkt. Verdichten wird sie sich an Gründonnerstag und Karfreitag mit dem letzten gemeinsamen Mahl, das Jesus mit seinen Jüngern hält und seiner Kreuzigung.Endspurt. Das ruft bei mir als Sportler hervor, dass ich nochmal so richtig Gas gebe; nochmal alle Kräfte mobilisiere und mich auspower. Für eine (geistliche) Vorbereitung auf die Festtage hört sich das erstmal komisch an. Ich kann dem Gedanken aber etwas abgewinnen. Ich spüre wie ich mich innerlich auf die bevorstehenden Tage ausrichte, ohne dass ich mich gezielt darauf konzentriere.So saß ich die Tage abends auf dem Sofa und blätterte in einer Trekking Zeitschrift. Eigentlich wollte ich mich entführen lassen an schöne Orte, zu denen sich eine Reise lohnt. So ganz nach dem Motto, wenn ich im Moment schon nicht real verreisen kann, dann wenigstens in Gedanken und später dann so richtig. Ich stieß bei einer Wanderbeschreibung auf Allerweltsbegriffe, die so gar nichts mit Glaube und Kirche oder mit den Kar- und Ostertagen zu tun hatten. Und trotzdem gab es plötzlich eine Verbindung, die mich genau dorthin gebracht hat. Ich hatte eine Idee im Kopf und dachte, `Mensch vielleicht ist das doch etwas für die Kar- und Ostertage, daran könnte ich meine Gedanken in den Gottesdiensten aufbauen ́. Ich habe mir sofort ein, zwei Stichworte gemacht, um sie nicht zu vergessen.Sie würden jetzt sicherlich gerne wissen welche das waren – sorry, aber dann wären sie ja für die Feiertage verbraucht. Und ich weiß noch gar nicht, ob sie es überhaupt bis dahin schaffen.Aber ist es nicht manchmal verrückt, wie der Geist doch schon auf einem Weg ist zu bestimmten Dingen. Da läuft im Hintergrund ganz unbemerkt etwas ab, was sich für mich genau mit dem Bild des Endspurts verbindet. Es findet eine Ausrichtung statt auf etwas das vor mir liegt und das auf jeden Fall kommen wird. In welcher Art und Weise wir Ostern dieses Jahr auch immer feiern werden.
 

Nun könnte man sagen: Ja, du bist als Priester darauf konditioniert, dir rechtzeitig Gedanken zu machen. Vielleicht. Vielleicht läuft da tatsächlich ein Automatismus ab. Trotzdem erstaunt es mich total, wenn zu Zeiten, an denen ich überhaupt nicht daran denke, solche Gedankenverbindungen wie von selbst kommen. Ich frage mich dann, wie mein Kopf zu solchen Einfällen kommt? Wie werden solche Trigger gesetzt, dass ich beim Lesen einer Trekking Zeitschrift plötzlich eine Idee bekommen, die so gar nichts mit der Lektüre zu hat?Es ist Zeit für den Endspurt. Der Geist richtet sich in den Wochen der Fastenzeit auf sein Ziel aus: Die Passion und Auferstehung Jesu. Das Geschenk Gottes an uns Menschen aus seiner Liebe und Hingabe zu leben.Ich hoffe und wünsche allen, dass sie solche Erfahrungen in diesen Wochen der Vorbereitung machen durften oder im Endspurt erfahren dürfen. Einen guten Schlussspurt der Fasten- und Passionszeit wünscht

Timm Keßle, Pfarrer der Heilig Geist Kirchengemeinde, Katholische Gemeinde an der Unterelbe.

Die Katholische Heilig Geist Kirchengemeinde ist seit 2012 Mitglied der Stader Bibel- und Missionsgesellschaft e.V. Eine schöne ökumenische Verbindung.
 
 
 
 
Andacht - Pastorin Heike Kehlenbeck, Stade Bützfleth
Wort zum Sonntag Okuli 2021
Liebe Andachtsgemeinde,„wir werden in ein paar Monaten wahrscheinlich viel einander verzeihen müssen“. Diese Aussage von Jens Spahn aus dem vergangenen Jahr bewahrheitet sich mehr und mehrin dem Versuch, die Corona Krise zu bewältigen. Es läuft nicht alles so glatt und reibungslos, wie wir uns das wünschen und auch von der Regierung erwar-ten. Dass uns Corona auch in diesem Jahr noch lange beschäftigen wird, wird immer offensichtlicher. Ichbin froh, dass ich die Entscheidungen nicht zu treffen brauche, die derzeit getroffen werden müssen. „Wir werden einander viel verzeihen müssen“ birgt die Hoffnung auf einen Neuan-fang nach einem Fehler. Wie oft wünschen wir uns das selber? Neu anfangen zu können nach einem Streit, nach einem Fehler, nach einem Versagen…? Denn wir merken ja, dass es nicht wirklich hilft, eine Schuld zu verstecken. Irgend-wann holt uns das wieder ein. Unser Leben ist blockiert. Wir haben uns gerade mit unseren Konfis damit beschäftigt, wie wichtig es ist, um Verzeihung zu bitten und Verzeihung auch zu gewähren, damit das Miteinander ge-lingt. Und auch, wie schnell wirin eine Situation hineinrutschen können, in der wir schuldig werden. Einfach weil wir einem hohen Anspruchan uns (selbst) nicht ge-recht werden, uns ein falsches Wort herausrutscht, wir unter Anspannung stehen und falsch reagieren. Gerade diese letzten Monate in der Pandemie haben die Möglich-keiten noch um einiges erweitert. Je länger sie dauert, desto mehr liegen die Nerven blank.WirbrauchenVergebung, um neu anfangen zu können. Und manchmal sind wir die-jenigen, die Vergebung gewähren müssen. „Ahmt Gott nach als geliebte Kinder und wandelt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat … Wandelt als Kinder des Lichts: die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.“(Eph 5, 1.2.8.9 in Auswahl). So heißt es in der Epistel, dem Predigttext für den morgigen Sonntag.
 

Wer sich geliebt weiß, lebt anders. Das kann jede bestätigen, diesichgeliebt fühlt. Da kommt Freiheit ins Leben, Mut und ganz viel Vertrauen.Ich kann neue Wege ausprobieren, die sich möglicherweise als falsch erweisen. Ich kann etwas Neues wagen, alte Verhaltensmuster verlassen und bin getragen dabei. Und gleichzeitig ist es die Liebe, die mich dann auch erkennen lässt, wo ich falsch liege. Die mir zeigt, wie ich es besser machen könnte.GottesLiebe hilft uns zu einem aufrechten Leben. Sie hilft uns, Verantwortungzu übernehmen. Denn auch das gehört ja zu einemfreien und aufrechten Leben, dass ich verantwortlich bin für das, was ich tue oder lasse. Ich habe manchmal den Eindruck, je besser es uns geht, desto mehr sind wirso mit uns selber beschäftigt, dass wir auch nur noch uns selber sehen. Der morgige Sonn-tag „Okuli“ erinnert uns daran, uns den Blick weiten zu lassen, indem wir unsere Au-gen auf Jesus Christusrichten. Unser Blick wird befreit aus der Befangenheit unserer Selbstbetrachtung. Es geht nicht immer nur um uns. Es geht auch um die Menschen neben uns, an unserer Sei-te und drei Häuser weiter. Es geht um die fernen Nächsten, die oft unter ganz ande-ren Bedingungen leben und irgendwie zurechtkommen müssen und das oft fröhlicher und getroster schaffen als wir. Mit einem Teil aus der Bitte um Vergebungaus der Gottesdienstordnung aus Vanu-atu zum gestrigen Weltgebetstag will ich schließen:Vater und Mutter im Himmel, geheiligt werde dein Name. Wir bauen auf deine Gnade und bekennen unsere Sünden. Wir bekennen, dass wir dein Wort gehört, aber nicht danach gehandelt haben. Oft tun wir Dinge, die wir nicht tun sollten, und unterlassen, was notwendig wäre.In unseren Familien und in unseren Völkern stehen wir vor Widrigkeiten und Heraus-forderungen. Wir meinen, dass wir auf den Worten Jesu aufbauen, doch tatsächlich haben wir auf Sand gebaut. Wir wollen uns von dir verändern lassen. Mache uns heil, damit wir tun, was gerecht und richtig ist  .Amen.

 

Heike Kehlenbeck, Pastorin im Stadtpfarramt Stade. Kirchengemeinde Bützfleth. Die Kirchengemeinde Bützfleth ist seit 1950 Mitglieder der Stader Bibel- und Missionsgesellschaft
 
 
 
 
Andacht - Pastor Dr. Wilfried Behr, Stade
 
 
 
 

Man kannes als ein besonderes Vorrecht betrachten, dass wir als Christen in diesen Wochen vor Ostern aufgefordert sind, uns im Lesen einzelner Geschichten mit auf den Leidensweg Jesu zu begeben. So stelle ich an den Anfang einen kurzen Abschnitt aus der Passionsgescchichte des Markusevangeliums: „Und alsbald am Morgen hielten die Hohenpriester Rat mit den Aeltesten und Schriftgelehrten, dazu der ganze Hohe Rat, und sie banden Jesus und führten ihn ab und überantworteten ihn Pilatus. Und Pilatus fragte ihn: „Bist Du der König der Juden?“Er aber antwortete ihm und sprach: „Du sagst es“. Und die Hohenpriester beschuldigten ihn hart. Pilatusaber fragte ihn abermals und sprach: „Antwortest Du nichts? Siehe, wie hart sie dich verklagen!“Jesus aber antwortete nichts mehr, sodass sich Pilatus verwunderte“(Markusevangelium 15,1-5).Wir sind hier mitten in einer Situation, in der sich die Lage für Jesus zuspitzt. Noch berät ein Gremium über ihn, von dem er sich Schutz und Unterstützung erhoffen könnte. Neben den höchsten Amtsträgern des jüdischen Volkes und anderen gewählten oder nach strengen Regeln bestimmten Mitgliedern dieses hohen Rates sind doch auch Schriftgelehrte unter ihnen. Menschen, denen man nicht einfach unterstellen sollte, sie wären nur auf ihren Vorteil bedacht und orientierten sich ausschließlich an dem, was in jeder Situation ihre Position stärken könnte. Sie forschen und fragen nach dem Willen Gottes in der heiligen Schrift, sie fragen nach dem Kommen Gottes in der Zeit, nach den erkennbaren Zeichen des einen göttlichen Boten. Von ihnen könnte Jesus doch Verständnis und eventuell Unterstützung erwarten.Doch wie viele unterschiedliche Stimmen es auch in diesem höchsten Gremium gegeben haben mag, eine gewisseMehrheitging in eine andere Richtung. Sie betrachtete Jesus als Störfaktor für das eigene religiöse Leben. Vermutlich gab es auch die Angst, das Auftreten Jesu könne nur noch für Unruhe sorgen und am Ende zu einer Verschlechterung der eigenen Situation führen. Deshalb überhäuft man Jesus mit Vorwürfen, unter anderem mit der Anklage einer gotteslästerlichen Anmaßung. Deshalb versucht man aber auch, sich der Verantwortung zu entziehen und das Problem dorthin zu schieben, wo es `von allein ́ gelöst werden kann. Der römische Statthalter Pilatus schien vermutlich gewissenlos und brutal genug, um Jesus aus dem Verkehr zu ziehen.So einfach lässt Pilatus sich nun aber doch nicht für die Ziele anderer benutzen. Er fragt immerhin, er gibt Jesus immerhin die Möglichkeit einer Antwort. So fordert er ihn heraus und will wissen: „Bist du der König der Juden?“ Jesus antwortet, aber er antwortet nicht so, wie man es erwarten könnte. Er sagt nicht: Ja, das stimmt. Er reagiert zurückhaltender. Einerseits bejaht er die Frage, andererseits lässt seine

 

2Antwort doch auch etwas offen. Er spricht und sagt zu Pilatus: „Du sagst es“. Was meint er damit?Vielleicht auch dies: Eine Antwort, in der der andere nicht vorkommt, kann es auf diese Frage gar nicht geben. Denn sie muss offensichtlich neu und anders beantwortet werden alsbisher. Als eine reine Machtfrage wäre dieses Ansinnen nicht auf die Antwort anderer angewiesen. Sie enthält aber mehr. Dann muss ich auch bereit sein zu verstehen, wie Gott als König zu uns Menschen kommt. Dann kann ich das immer nur selber sagen.„Wenndu es weißt, dann sag es doch selber“, so könnte man diese Antwort auch verstehen.Indem Jesus zaghaft antwortet, liegt vielleicht auch eine letzte Unsicherheit in seinem eigenen Herzen. Wie kann er denn beanspruchen, im Zeichen der Liebe Gottes zu den Menschen zu kommen, wenn er mitdiesem Anspruch ganz offensichtlich scheitert. Er ist ja kurz davor, ganz zum Verstummen gebracht zu werden.Die Mitglieder des hohen Rates reizt Jesu Antwort dabei nur um so mehr. Und von Neuem muss er sich deren Anschuldigungen anhören. Und Pilatus fühlt sich offenbar gedrängt, noch einmal zu fragen: „Antwortest du nichts?“. Diesmal schweigt Jesus tatsächlich. „Jesus aber antwortete nichts mehr“, so heißt es am Ende dieses kurzen Berichtes. Ein Schweigen steht am Schluss, ein wortloses Aushalten, in dem dennoch Jesu ganzes Leben schon und noch verborgen liegt. Auch das ist ein Teil der Passionszeit: An diesem Schweigen teilzuhaben und dennoch nicht zu verzweifeln. Es soll und wird ja das Wort kommen, das klar ist und das wirdann wirklich verstehen.

 

Pastor Dr. Wilfried Behr (Johannisgemeinde Stade) ist seit 2018 Mitglied der Stader Bibel- und Missionsgesellschaft e.V.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Andacht - Pastor Gerd Heibutzki, Elm

Meine Frau und ich haben zwei Jahre auf der Insel Borkum gewohnt. Das war eine schöne Zeit, an die ich gerne zurück denke: der Strand, die Dünen, der Wind und auch die Stürme auf der Insel. Besonders sind mir aber auch im September und Oktober die Schwärme von Zugvögeln in Erinnerung. Zum Wattenmeer auf der Ostseite waren die Wiesen und das Watt von Tausenden von Vögeln besetzt und wenn sie aufflogen, dann war der Himmel mit einer schwarzen Wolke bedeckt. Sie alle machten sich auf, ihren Weg gen Süden in ihre Winterquartiere zu reisen. Woher kennen sie ihren Weg? Woher wissen sie, wo es warm und futterreich sein wird? 
In der Bibel wird dieses Wissen und diese Klugheit der Vögel auch bemerkt. Nur wir Menschen wissen so wenig über unseren Ursprung, unseren Weg und unser Ziel. „Ein Storch unter dem Himmel weiß seine Zeit, eine Turteltaube, Kranich und Schwalbe merken ihre Zeit …aber mein Volk will das Recht des HERRN nicht wissen.“ (Jeremia 8,7) Wer leitet uns auf unserem Weg? Wir sollen aufmerksam sein, was uns Gottes Geist zu sagen hat. Wir haben Gottes Wort, das uns Impulse gibt für unser Tun und Denken. Wenn ich die Tageslosungen oder den Bibeltext für die nächste Predigt bedenke, dann bekomme ich neue Anstöße für meinen Weg. Hier ist vom Recht des Herrn die Rede. Die Zehn Gebote gelten immer noch und sind in unserer Zeit wichtiger denn je. Aber auch Jesu Worte von Nachfolge, Vergebung, Liebe leiten uns. Überhaupt: wir finden unseren Weg und unser Ziel im Glauben an Jesus Christus. Bei ihm ist unser Sommerquartier, Wärme und Licht. Bei ihm finden wir Trost und Vergebung, Mut und neue Kraft für den kommenden Tag.

Pastor Gerd Heibutzki, Elm, Mitglied im Vorstand der Stader Bibel- und Missionsgesellschaft seit 2000

 

Andacht 12. Sonntag nach Trinitatis - Superintendent Dr. Thomas Kück, Stade

Liebe Leserin und lieber Leser,

morgens lese ich gerne die Losungen. Noch vor dem Frühstück und dem ersten Kaffee. Was mich geistlich stärkt, sind die Losungen. Erst das Losungswort aus dem Alten Testament und dann der dazu gestellte Lehrtext aus dem Neuen Testament.

Nicht immer sprechen mich die Worte an. Ich weiß nicht, warum. Vielleicht, weil ich mit meinen Gedanken schon woanders bin. Bei dem, was am Tag alles passieren wird und worauf ich mich einstellen muss. Oder aber das Wort passt nicht zu meinem Erleben. Nicht zu dem, was mich gerade beschäftigt. Häufig aber begleiten mich die Losungen durch den ganzen Tag. Morgens gelesen und noch am Abend in Erinnerung.

So wie am Donnerstag. Das Losungswort aus dem Buch Josua: „Der Herr, unser Gott, hat uns behütet auf dem ganzen Wege, den wir gegangen sind“ (Josua 24, 17). Und dazu der Lehrtext: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“ (Matthäus 28, 20).

Die beiden Verse haben mich den ganzen Tag begleitet bis zum Schreiben dieser Andacht. Bei Josua geht der Blick zurück: Gott hat uns behütet auf dem ganzen Wege, den wir gegangen sind. Wie in dem Choral: Bis hierher hat mich Gott gebracht. – Wie schade, dass wir wegen Corona das Lied nicht singen dürfen!

Josua blickt zurück auf den Weg, den Gott mit seinem Volk gegangen ist: Der Auszug aus Ägypten, die Ankunft im gelobten Land. Was für ein Weg, jahrzehntelang! Und nun der dankbare Rückblick: Auf diesem langen Weg hat Gott uns behütet. Dankbarer Rückblick und Aufruf zugleich: Vergesst das nicht. Denkt daran, was immer auch die Zukunft bringen mag. Gott ist bei uns.

Und genau daran schließt sich der Lehrtext aus dem Matthäusevangelium an. Jesus verabschiedet sich von seinen Jüngern und spricht: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Was haben sie alles gemeinsam erlebt auf dem Weg durch Galiläa hin nach Jerusalem, dann die Kreuzigung und die Auferstehung. Ein Leben voller Vertrauen. Und jetzt beim Abschied die Zusage: Ich bin und ich bleibe bei euch. Was auch geschieht. Darauf könnt ihr vertrauen.

Diese beiden Worte passen auch zur heutigen Mitgliederversammlung unserer Stader Bibel- und Missionsgesellschaft. 1832 wurde sie gegründet. Angefeindet am Anfang. Ihr erster Vorsitzender musste zurücktreten und auch sein Amt als Direktor des Gymnasiums Athenaeum aufgeben, weil er zu sehr angefeindet wurde. Er hatte Gegner, auch weil er selbst wohl kein einfacher Typ war, aber nicht zuletzt, weil die Sache eine Bibel- und Missionsgesellschaft damals nicht nur Zustimmung in der Bevölkerung fand.

Und dennoch hat sich die Gesellschaft durchgesetzt. Seit 188 Jahren verbreitet sie die Bibel in unserer Region zwischen Elbe und Weser, unterstützt die Kirchengemeinden mit christlicher Literatur, die Konfirmandengruppen mit Gesangbüchern, die Kindertagesstätten und Krankenhäuser und … und … und …

Seit über einem Jahr betreiben wir das Kapitel 17 in der Hökerstraße in Stade. Ein niedrigschwelliges Kontaktfenster für Kirche und Glauben.  Und das funktioniert tatsächlich. Immer wieder erlebe ich das so, wenn ich dort bin und mitkriege, wie Kunden sich informieren und von unserem ehrenamtlichen Team beraten werden. Klasse!

Corona war in diesem Jahr ein herber Einschlag. Das Geschäft musste geschlossen werden. Das war schlimm, wie für alle anderen Geschäfte auch. Glücklicherweise ist der Shutdown zu Ende. Zwar ist Corona noch nicht überwunden, aber mit Einschränkungen, Abstand und Hygieneregeln kriegen wir das ganz gut hin.

Was mich darin zuversichtlich macht, sind die biblischen Worte, die mich begleiten. Die Losungen an jedem Tag. So geht mein Blick zurück mit dem Wort aus dem Buch Josua: „Der Herr, unser Gott, hat uns behütet auf dem ganzen Wege, den wir gegangen sind“. Und ich richte den Blick nach vorn im Vertrauen auf das Wort von Jesus: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“. Amen.

Stade, den 28. August 2020

Dr. Thomas Kück

Vorsitzender der Stader Bibel- und Missionsgesellschaft seit 2009

 

 

Andacht zum 11. Sonntag nach Trinitatis - Pastor Gerd Heibutzki, Elm

Es war im Urlaub vor einigen Jahren. Schon als ich bei dem Hotel aus dem Bus ausstieg, hörte ich den durchdringenden Schrei. Das muss ein Pfau sein! Und wirklich, hinter dem Hotel war ein schöner Park mit Schafen, Ziegen und bunten Hühnern – und eben auch ein Pfau. Da posierte er auf einem kleinen Zaun und hatte seine prächtigen Schwanzfedern zu einem beeindruckenden Rad aufgeschlagen. Wie wunderbar!  Er hat wirklich etwas vorzuweisen, dieser Angeber!
Was kann ich eigentlich vorweisen? Womit kann ich angeben?
Vielleicht mit meiner Kleidung. Sollte ich es wagen, die bunte Karohose hervorzuholen und anzuziehen? Die Leute würden Augen machen und sich den Mund zerreißen.  Vielleicht mit meinen beruflichen Erfolgen, dass ich es zu Besitz und Wohlstand gebracht habe? Vielleicht mit meiner Familie, Kindern und Enkelkindern? Und was habe ich alles geleistet für die Allgemeinheit oder in den Vereinen:  ich musiziere und singe im Chor.  Ja es gibt manches, worüber ich mich freuen und dankbar sein  kann. Und hin und wieder tut es doch gut, sich positiv darzustellen und die besten Seiten hervor zu kehren.
Die andere Seite halte ich lieber unter Verschluss: Angst, Schuld, und Schwäche, dann bliebe von der ganzen Pracht nicht mehr viel zurück.
Was kann ich vorweisen? Ich denke: Nicht viel.  Aber ich darf doch froh sein über das, was Gott mir gibt: über die Gnade Gottes, dass ich zu ihm gehöre und er mir täglich seine Liebe schenkt: „Christi Blut und Gerechtigkeit, das ist mein Schmuck und Ehrenkleid, damit will ich vor Gott bestehn, wenn ich zum Himmel werd eingehn.“

Pastor Gerd Heibutzki, Elm, Mitglied im Vorstand der Stader Bibel- und Missionsgesellschaft seit 2000

Andacht zum 10. Sonntag nach Trinitatis - Pastor Matthias Schäfer, Bremerhaven

Beten. – Ein Film

Jerusalem. In der Mitte der Stadt erhebt sich der neu erbaute Tempel. Rauchfahnen steigen auf. Zoom: der von Menschen gefüllte Innenhof. König Salomo vor dem Altar, die Hände gen Himmel. Worte hallen wider. Schwenk in die Menge. Manche haben die Augen geschlossen. Andere die Hände erhoben, verzückt.

Bremerhaven. „Ich bete nicht.“ „Und wenn du es musst?“ „Ja dann Händefalten und LieberGotthilfmir.“ „Mal anders probiert?“ „Nö.“ – Ein Mädchen berichtet vom Großvater. Der sagt, man solle nicht in Unterwäsche oder Schlafanzug beten, sondern richtig gekleidet. Außer man muss im Bett liegen. Gebet mit Haltung. – Ein Ehepaar: Sie haben begonnen, beim Beten und beim Segen die Augen zu schließen zur Sammlung, die Hände zu öffnen zum ‚Empfang‘. – Ein junger Mann hat auf einer Freizeit gemerkt, wie schön es sich anfühlt, draußen mit offenen Händen die Luft zu spüren. Zuhause aber traut er sich nicht. – Eine Frau, die ganz direkt zum Herrn Jesus spricht, mit ihm redet wie total vertraut. – Ein Mann erzählt, dass er nur das Vaterunser nimmt. Er kann nicht so mit eigenen Worten. – Ein Pastor gibt zu, dass er manchmal zum Beten kniet. Das hilft ihm, nichts anderes zu tun. – Man kann im Gotteshaus beten, allein, mit anderen, zuhause, im Wald. Manchmal helfen die Orte. So wie es helfen kann, Hände zu falten, zu öffnen oder andere Haltungen. Aber letztlich egal. Beten geht im Herz, im Kopf. Oder dazwischen hin und her. Gott wohnt da, wo man ihn einlässt.

Jerusalem. Salomos Gebet zur Tempelweihe: „Doch sollte Gott wirklich auf Erden wohnen? Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen. Wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe?“ Schwenk in den Himmel; schnelle Kamerafahrt über Meer und Land.

Langsamer Zoom in eine Kirche. Wände, Mauern. Ein leises Rieseln, Staub, Risse. Salomos Stimme: „… aller Himmel Himmel können dich nicht fassen. Wie sollte es dies Haus …?“ Putz rieselt. Steine, Brocken brechen heraus. Eine hohe Wand aus großen Steinen steht noch: die Westmauer des Tempels. Juden beten mit offenen Händen, nickendem Kopf. Manche stecken gefaltete Zettel in die Fugen. Woanders zündet jemand eine Kerze an, verharrt schweigend.

Gott wohnt, wo man ihn einlässt. Köpfe Herzen Tempel Hütten Kirchen Wohnungen unter dem Himmel Paläste Krankenzimmer Ruinen in den Bergen Moscheen Gefängniszellen Klosterzellen am Wasser Kinderzimmer Notunterkünfte Seelen Küchen.

Matthias Schäfer, Wulsdorf, Mitglied im Vorstand der Stader Bibel- und Missionsgesellschaft seit Juni 2013

Andacht zum 9. Sonntag nach Trinitatis - Pastor Axel Rothermund, Harsefeld

Monatsspruch für August:„Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele“. So heißt es in Psalm 139, Vers 14.

Liebe Leserinnen und Leser! Der Monatsspruch für August passt gut  in die Urlaubszeit. Im Urlaub kommen wir zur Ruhe. Im Urlaub kommen wir zu uns selbst. So ist wenigstens der Plan. Der Urlaub bietet uns die Chance, einmal innezuhalten. Wir müssen nicht schon wieder etwas tun. Wir können einmal in Ruhe nachdenken über uns und unser Leben.

Der 139. Psalm ist eine einzige Meditation über unser Leben. Da spricht uns jemand vor, wie das aussehen kann, wenn wir Bilanz ziehen. Wenn wir zurückblicken und uns klar werden, wo wir eigentlich gelandet sind mit unserm Leben.

Das spannende dabei ist, das hier nicht jemand einfach nur Nabelschau betreibt. So eine Nabelschau kann nämlich leicht in die Irre führen. Man bleibt bei sich selbst und es ändert sich nichts.

Der Psalmbeter macht es anders. Er betrachtet sein Leben im Angesicht Gottes.

„ HERR, du erforschest mich und kennest mich. Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne. Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege“. So beginnt er seine Betrachtung.

So möchte ich das auch tun, wenn ich im Urlaub die Gelegenheit dazu habe.

Ich erinnere mich noch gut daran, wie mir das einmal gelungen ist. Ich lag auf meiner Liege und las ein kleines Büchlein. Dann legte ich es neben mich und machte eine kleine Pause. In dem Moment kam ein anderer Urlauber vorbei und sah sich das Büchlein an. „Ach“, sprach er mich an „Sie lesen ein Buch von Reinhard Deichgräber? Den lese ich auch sehr gerne. Der hat wirklich etwas zu sagen“.

Das fand ich damals sehr witzig. Dass da auf Kreta zufällig jemand rumlief, der mein Buch kannte. Das Buch heißt „Stufen des Glaubens – Stufen des Lebens“. Einen Satz für Menschen in der mittleren Lebensphase habe ich mir damals unterstrichen. Er lautet ungefähr so:

„Eine der schwierigsten Aufgaben, die das Leben fast jedem stellt ist: sich mit seiner eigenen Durchschnittlichkeit zu versöhnen. Die tiefeingewurzelte Vorstellung, wir müssten Überragendes leisten, muss bei dieser Gelegenheit sterben“.

Und weiter heißt  es in dem Buch: „Wer weiß, dass er mit all seiner Durchschnittlichkeit im Buch des Lebens steht, wird kein Verlangen mehr haben, ins Guinness Buch der Rekorde zu kommen, auch nicht ins Guinnessbuch der frommen Leistungen, falls ein solches irgendwo existieren sollte.“

Soweit die Worte von Reinhard Deichgräber.

Noch heute atme ich auf, wenn ich diese Zeilen lese.

Könnte es sein, dass auch der Durchschnittsmensch „wunderbar“ ist? Oder müssen wir uns unser Leben lang nach der Decke strecken? Jede gewöhnliche Wiese kann uns die Antwort auf diese Frage zeigen.

 

Auch das ist ein Urlaubsbild:

Ich lege mich genüsslich auf eine grüne Wiese und genieße den blauen Himmel über mir. Um mich herum schaue ich die grünen Halme an. Obwohl sie kaum zu unterscheiden sind, ist keiner wie der andere. Grashalme, lauter ganz gewöhnliche Grashalme, alle nur Durchschnitt in Größe und Gestalt. Und gerade, wenn das Gras frisch gemäht ist, finden wir diesen Durchschnitt besonders schön. Aber eben diese unzähligen Halme, die nur Durchschnitt sind, bilden die Wiese, auf der ich gerade in schönster Urlaubsstimmung liege.

Offenbar hat der liebe Gott eine Vorliebe für das Gewöhnliche und das Durchschnittliche. Und darum wimmelt es überall von köstlich normalen Wesen, Wesen wie Du und ich.

Amen.

Axel Rothermundt ist Pastor in Harsefeld und seit Juni 2018 Mitglied im Vorstand der Stader Bibel- und Missionsgesellschaft e.V.

 

Andacht zum 8. Sonntag nach Trinitatis - Pastorin Sonja Domröse, Stade

Wie so oft war es auch in dieser Nacht gegen Morgen ziemlich kalt geworden. Es war zwar schon Mai, aber die Nächte waren noch empfindlich kalt, manchmal sogar frostig. Im Zelt, unserer großen Pfadfinder-Jurte, lagen wir dicht aneinander in unseren Schlafsäcken. So war es wenigstens ein wenig wärmer.

Aber da brannte in der Mitte ja auch noch das Lagerfeuer, an dem wir abends noch zusammengesessen hatten und bis tief in die Nacht hinein über Gott und die Welt gesprochen hatten. Wie es so 18-, 19-Jährige eben machen.

Morgens dann, wenn wir Glück hatten, glimmte das Feuer noch schwach und wer als Erste wach wurde, nahm einen trockenen Zweig und entfachte das Feuer von neuem, damit allen wieder rasch warm wurde und es nicht allzu viel Überwindung kostete, aus dem warmen Schlafsack zu schlüpfen und über das vom Tau noch feuchte Gras in den kühlen Mai-Morgen zu stapfen.

Das wärmende Feuer war bei jedem unserer Lager der Mittelpunkt, denn hier wurde gekocht, gegessen, gesungen, miteinander gelacht und auch oft gestritten, hier kamen wir als Pfadfinder-Gruppe zusammen.  Und dieses Bild vom Lagerfeuer kam mir in den Sinn, als ich diese Bibelworte las:

Darum rufe ich dir ins Gedächtnis: Entfache die Gnade Gottes wieder, die dir durch die Auflegung meiner Hände zuteilgeworden ist! Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. 2. Timotheus, 6-7

 Ein schönes Wort gleich zu Anfang: „Entfache die Gnade Gottes wieder!“

Entfachen ist etwas Zartes und Behutsames. Dort wo es nur noch glimmt, sorgt das Entfachen dafür, dass ein Feuer wieder anfängt zu lodern und Flammen schlägt.

Das Bild des Feuers begegnet uns in der Bibel ja an vielen Stellen, wenn es um Erfahrungen mit Gott, seiner Kraft und Energie geht.

Da ist der lodernde Dornbusch, aus dem heraus Gott zu Mose spricht und ihm den Auftrag gibt, sein Volk Israel aus der ägyptischen Gefangenschaft zu führen.

Nachts leitet Gott sein Volk in einer Feuersäule durch die Wüste, auf dem Weg in das gelobte Land, damit sie den Weg finden.

Der Heilige Geist, Gottes schöpferische Kraft, setzt sich an Pfingsten auf die Schar der verängstigten Jünger Jesu wie kleine Feuerflammen und sie beginnen, in den verschiedensten Sprachen der Erde Menschen von Jesus zu erzählen, von der Liebe und der Gnade Gottes, die mit diesem Jesus von Nazareth für alle offenbar geworden ist.

„Entfache die Gnade Gottes wieder“

Auch heute ist Gottes Kraft und Energie an vielen Orten zu spüren. Denn wie Viele setzen sich ehrenamtlich für andere ein und entfachen damit Mitmenschlichkeit, Wärme und Gemeinschaft. Manchmal ist es vielleicht eher wie ein unscheinbares Glimmen und manche wollen auch nicht viel Aufhebens aus ihrem Engagement machen. Und doch haben sie damit Anteil an der Energie, dem Feuer Gottes.

Ob es nun glimmt oder auch richtig lodert, als christliche Gemeinde wollen wir etwas weitergeben von der Liebe Gottes.

Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.

 Gottes Gnade ist uns geschenkt. Oder um es im Bild des Entfachens zu sagen: Wir haben nicht das Zündholz in der Hand, mit dem wir das göttliche Feuer zum Leuchten und Lodern bringen können. Aber wir können aus der Glut der göttlichen Gnade immer wieder Funken schlagen und seine Gnade zum Entflammen bringen.

Es grüßt Sie herzlich

Ihre  Sonja Domröse, Pastorin und stellv. Vorsitzende der Stader Bibel- und Missionsgesellschaft

Andacht zum 7. Sonntag nach Trinitatis - Pastor Axel Rothermund, Harsefeld

Abendmahl aus der Tüte

Wir haben es getan. Nun schon zum zweiten Mal. Wir haben im Gottesdienst Abendmahl unter Corona-Bedingungen gefeiert. Das meiste war so, wie gewohnt: Auf dem Altar standen die Abendmahlsgeräte. Bis zum Abendmahlsteil bedeckt mit dem Velum, einem weißen Leinentuch. Zur Abendmahlsliturgie wurde das Tuch abgenommen. Bei der Liturgie wurde, wie gewohnt der Teller mit den Oblaten und der Kelch erhoben. Nur bei der Austeilung hieß es nicht: „Und nun kommt, denn es ist alles bereit“. Denn jeder blieb an seinem Platz. Es hieß nur: „Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist. Wohl dem, der auf ihn traut.“ Und nun kamen die Tüten ins Spiel. Jeder hatte am Eingang eine Tüte mit einem Abendmahlssymbol bekommen. Darin befand sich – hygienisch verpackt – eine Oblate und eine Weintraube. Die Tüte sollte mit an den Platz genommen werden, damit jeder sie bei der Austeilung vor sich hatte.

Nun wurde sie geöffnet. Zu den Worten „Christi Leib für Dich gegeben“ haben wir dann gemeinsam die Oblate gegessen. Danach, zu den Worten „Christ Blut für Dich vergossen“, wurde gemeinsam die Weintraube verspeist. Danach hieß es: „Das stärke und bewahre Dich im Glauben zum ewigen Leben. Amen.“

Was meinen Sie – durften wir das so machen? War das ein einsetzungsgemäßes Abendmahl? Die Teilnehmer haben jedenfalls überwiegend positiv reagiert. Als Pastor habe ich selten eine so intensive und konzentrierte Abendmahlsfeier erlebt. Mache, die gemeinsam in der Bank saßen, haben sich die Abendmahlsgaben sogar gegenseitig gereicht. Gerade in Corona-Zeiten brauchen wir die Stärkung durch das Abendmahl ganz besonders.  Vielleicht ist das Abendmahl aus der Tüte eine Möglichkeit dazu.

Axel Rothermundt ist Pastor in Harsefeld und seit Juni 2018 Mitglied im Vorstand der Stader Bibel- und Missionsgesellschaft e.V.