Andacht 12. Sonntag nach Trinitatis - Superintendent Dr. Thomas Kück, Stade

Liebe Leserin und lieber Leser,

morgens lese ich gerne die Losungen. Noch vor dem Frühstück und dem ersten Kaffee. Was mich geistlich stärkt, sind die Losungen. Erst das Losungswort aus dem Alten Testament und dann der dazu gestellte Lehrtext aus dem Neuen Testament.

Nicht immer sprechen mich die Worte an. Ich weiß nicht, warum. Vielleicht, weil ich mit meinen Gedanken schon woanders bin. Bei dem, was am Tag alles passieren wird und worauf ich mich einstellen muss. Oder aber das Wort passt nicht zu meinem Erleben. Nicht zu dem, was mich gerade beschäftigt. Häufig aber begleiten mich die Losungen durch den ganzen Tag. Morgens gelesen und noch am Abend in Erinnerung.

So wie am Donnerstag. Das Losungswort aus dem Buch Josua: „Der Herr, unser Gott, hat uns behütet auf dem ganzen Wege, den wir gegangen sind“ (Josua 24, 17). Und dazu der Lehrtext: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“ (Matthäus 28, 20).

Die beiden Verse haben mich den ganzen Tag begleitet bis zum Schreiben dieser Andacht. Bei Josua geht der Blick zurück: Gott hat uns behütet auf dem ganzen Wege, den wir gegangen sind. Wie in dem Choral: Bis hierher hat mich Gott gebracht. – Wie schade, dass wir wegen Corona das Lied nicht singen dürfen!

Josua blickt zurück auf den Weg, den Gott mit seinem Volk gegangen ist: Der Auszug aus Ägypten, die Ankunft im gelobten Land. Was für ein Weg, jahrzehntelang! Und nun der dankbare Rückblick: Auf diesem langen Weg hat Gott uns behütet. Dankbarer Rückblick und Aufruf zugleich: Vergesst das nicht. Denkt daran, was immer auch die Zukunft bringen mag. Gott ist bei uns.

Und genau daran schließt sich der Lehrtext aus dem Matthäusevangelium an. Jesus verabschiedet sich von seinen Jüngern und spricht: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Was haben sie alles gemeinsam erlebt auf dem Weg durch Galiläa hin nach Jerusalem, dann die Kreuzigung und die Auferstehung. Ein Leben voller Vertrauen. Und jetzt beim Abschied die Zusage: Ich bin und ich bleibe bei euch. Was auch geschieht. Darauf könnt ihr vertrauen.

Diese beiden Worte passen auch zur heutigen Mitgliederversammlung unserer Stader Bibel- und Missionsgesellschaft. 1832 wurde sie gegründet. Angefeindet am Anfang. Ihr erster Vorsitzender musste zurücktreten und auch sein Amt als Direktor des Gymnasiums Athenaeum aufgeben, weil er zu sehr angefeindet wurde. Er hatte Gegner, auch weil er selbst wohl kein einfacher Typ war, aber nicht zuletzt, weil die Sache eine Bibel- und Missionsgesellschaft damals nicht nur Zustimmung in der Bevölkerung fand.

Und dennoch hat sich die Gesellschaft durchgesetzt. Seit 188 Jahren verbreitet sie die Bibel in unserer Region zwischen Elbe und Weser, unterstützt die Kirchengemeinden mit christlicher Literatur, die Konfirmandengruppen mit Gesangbüchern, die Kindertagesstätten und Krankenhäuser und … und … und …

Seit über einem Jahr betreiben wir das Kapitel 17 in der Hökerstraße in Stade. Ein niedrigschwelliges Kontaktfenster für Kirche und Glauben.  Und das funktioniert tatsächlich. Immer wieder erlebe ich das so, wenn ich dort bin und mitkriege, wie Kunden sich informieren und von unserem ehrenamtlichen Team beraten werden. Klasse!

Corona war in diesem Jahr ein herber Einschlag. Das Geschäft musste geschlossen werden. Das war schlimm, wie für alle anderen Geschäfte auch. Glücklicherweise ist der Shutdown zu Ende. Zwar ist Corona noch nicht überwunden, aber mit Einschränkungen, Abstand und Hygieneregeln kriegen wir das ganz gut hin.

Was mich darin zuversichtlich macht, sind die biblischen Worte, die mich begleiten. Die Losungen an jedem Tag. So geht mein Blick zurück mit dem Wort aus dem Buch Josua: „Der Herr, unser Gott, hat uns behütet auf dem ganzen Wege, den wir gegangen sind“. Und ich richte den Blick nach vorn im Vertrauen auf das Wort von Jesus: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“. Amen.

Stade, den 28. August 2020

Dr. Thomas Kück

Vorsitzender der Stader Bibel- und Missionsgesellschaft seit 2009

 

 

Andacht zum 11. Sonntag nach Trinitatis - Pastor Gerd Heibutzki, Elm

Es war im Urlaub vor einigen Jahren. Schon als ich bei dem Hotel aus dem Bus ausstieg, hörte ich den durchdringenden Schrei. Das muss ein Pfau sein! Und wirklich, hinter dem Hotel war ein schöner Park mit Schafen, Ziegen und bunten Hühnern – und eben auch ein Pfau. Da posierte er auf einem kleinen Zaun und hatte seine prächtigen Schwanzfedern zu einem beeindruckenden Rad aufgeschlagen. Wie wunderbar!  Er hat wirklich etwas vorzuweisen, dieser Angeber!
Was kann ich eigentlich vorweisen? Womit kann ich angeben?
Vielleicht mit meiner Kleidung. Sollte ich es wagen, die bunte Karohose hervorzuholen und anzuziehen? Die Leute würden Augen machen und sich den Mund zerreißen.  Vielleicht mit meinen beruflichen Erfolgen, dass ich es zu Besitz und Wohlstand gebracht habe? Vielleicht mit meiner Familie, Kindern und Enkelkindern? Und was habe ich alles geleistet für die Allgemeinheit oder in den Vereinen:  ich musiziere und singe im Chor.  Ja es gibt manches, worüber ich mich freuen und dankbar sein  kann. Und hin und wieder tut es doch gut, sich positiv darzustellen und die besten Seiten hervor zu kehren.
Die andere Seite halte ich lieber unter Verschluss: Angst, Schuld, und Schwäche, dann bliebe von der ganzen Pracht nicht mehr viel zurück.
Was kann ich vorweisen? Ich denke: Nicht viel.  Aber ich darf doch froh sein über das, was Gott mir gibt: über die Gnade Gottes, dass ich zu ihm gehöre und er mir täglich seine Liebe schenkt: „Christi Blut und Gerechtigkeit, das ist mein Schmuck und Ehrenkleid, damit will ich vor Gott bestehn, wenn ich zum Himmel werd eingehn.“

Pastor Gerd Heibutzki, Elm, Mitglied im Vorstand der Stader Bibel- und Missionsgesellschaft seit 2000

Andacht zum 10. Sonntag nach Trinitatis - Pastor Matthias Schäfer, Bremerhaven

Beten. – Ein Film

Jerusalem. In der Mitte der Stadt erhebt sich der neu erbaute Tempel. Rauchfahnen steigen auf. Zoom: der von Menschen gefüllte Innenhof. König Salomo vor dem Altar, die Hände gen Himmel. Worte hallen wider. Schwenk in die Menge. Manche haben die Augen geschlossen. Andere die Hände erhoben, verzückt.

Bremerhaven. „Ich bete nicht.“ „Und wenn du es musst?“ „Ja dann Händefalten und LieberGotthilfmir.“ „Mal anders probiert?“ „Nö.“ – Ein Mädchen berichtet vom Großvater. Der sagt, man solle nicht in Unterwäsche oder Schlafanzug beten, sondern richtig gekleidet. Außer man muss im Bett liegen. Gebet mit Haltung. – Ein Ehepaar: Sie haben begonnen, beim Beten und beim Segen die Augen zu schließen zur Sammlung, die Hände zu öffnen zum ‚Empfang‘. – Ein junger Mann hat auf einer Freizeit gemerkt, wie schön es sich anfühlt, draußen mit offenen Händen die Luft zu spüren. Zuhause aber traut er sich nicht. – Eine Frau, die ganz direkt zum Herrn Jesus spricht, mit ihm redet wie total vertraut. – Ein Mann erzählt, dass er nur das Vaterunser nimmt. Er kann nicht so mit eigenen Worten. – Ein Pastor gibt zu, dass er manchmal zum Beten kniet. Das hilft ihm, nichts anderes zu tun. – Man kann im Gotteshaus beten, allein, mit anderen, zuhause, im Wald. Manchmal helfen die Orte. So wie es helfen kann, Hände zu falten, zu öffnen oder andere Haltungen. Aber letztlich egal. Beten geht im Herz, im Kopf. Oder dazwischen hin und her. Gott wohnt da, wo man ihn einlässt.

Jerusalem. Salomos Gebet zur Tempelweihe: „Doch sollte Gott wirklich auf Erden wohnen? Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen. Wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe?“ Schwenk in den Himmel; schnelle Kamerafahrt über Meer und Land.

Langsamer Zoom in eine Kirche. Wände, Mauern. Ein leises Rieseln, Staub, Risse. Salomos Stimme: „… aller Himmel Himmel können dich nicht fassen. Wie sollte es dies Haus …?“ Putz rieselt. Steine, Brocken brechen heraus. Eine hohe Wand aus großen Steinen steht noch: die Westmauer des Tempels. Juden beten mit offenen Händen, nickendem Kopf. Manche stecken gefaltete Zettel in die Fugen. Woanders zündet jemand eine Kerze an, verharrt schweigend.

Gott wohnt, wo man ihn einlässt. Köpfe Herzen Tempel Hütten Kirchen Wohnungen unter dem Himmel Paläste Krankenzimmer Ruinen in den Bergen Moscheen Gefängniszellen Klosterzellen am Wasser Kinderzimmer Notunterkünfte Seelen Küchen.

Matthias Schäfer, Wulsdorf, Mitglied im Vorstand der Stader Bibel- und Missionsgesellschaft seit Juni 2013

Andacht zum 9. Sonntag nach Trinitatis - Pastor Axel Rothermund, Harsefeld

Monatsspruch für August:„Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele“. So heißt es in Psalm 139, Vers 14.

Liebe Leserinnen und Leser! Der Monatsspruch für August passt gut  in die Urlaubszeit. Im Urlaub kommen wir zur Ruhe. Im Urlaub kommen wir zu uns selbst. So ist wenigstens der Plan. Der Urlaub bietet uns die Chance, einmal innezuhalten. Wir müssen nicht schon wieder etwas tun. Wir können einmal in Ruhe nachdenken über uns und unser Leben.

Der 139. Psalm ist eine einzige Meditation über unser Leben. Da spricht uns jemand vor, wie das aussehen kann, wenn wir Bilanz ziehen. Wenn wir zurückblicken und uns klar werden, wo wir eigentlich gelandet sind mit unserm Leben.

Das spannende dabei ist, das hier nicht jemand einfach nur Nabelschau betreibt. So eine Nabelschau kann nämlich leicht in die Irre führen. Man bleibt bei sich selbst und es ändert sich nichts.

Der Psalmbeter macht es anders. Er betrachtet sein Leben im Angesicht Gottes.

„ HERR, du erforschest mich und kennest mich. Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne. Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege“. So beginnt er seine Betrachtung.

So möchte ich das auch tun, wenn ich im Urlaub die Gelegenheit dazu habe.

Ich erinnere mich noch gut daran, wie mir das einmal gelungen ist. Ich lag auf meiner Liege und las ein kleines Büchlein. Dann legte ich es neben mich und machte eine kleine Pause. In dem Moment kam ein anderer Urlauber vorbei und sah sich das Büchlein an. „Ach“, sprach er mich an „Sie lesen ein Buch von Reinhard Deichgräber? Den lese ich auch sehr gerne. Der hat wirklich etwas zu sagen“.

Das fand ich damals sehr witzig. Dass da auf Kreta zufällig jemand rumlief, der mein Buch kannte. Das Buch heißt „Stufen des Glaubens – Stufen des Lebens“. Einen Satz für Menschen in der mittleren Lebensphase habe ich mir damals unterstrichen. Er lautet ungefähr so:

„Eine der schwierigsten Aufgaben, die das Leben fast jedem stellt ist: sich mit seiner eigenen Durchschnittlichkeit zu versöhnen. Die tiefeingewurzelte Vorstellung, wir müssten Überragendes leisten, muss bei dieser Gelegenheit sterben“.

Und weiter heißt  es in dem Buch: „Wer weiß, dass er mit all seiner Durchschnittlichkeit im Buch des Lebens steht, wird kein Verlangen mehr haben, ins Guinness Buch der Rekorde zu kommen, auch nicht ins Guinnessbuch der frommen Leistungen, falls ein solches irgendwo existieren sollte.“

Soweit die Worte von Reinhard Deichgräber.

Noch heute atme ich auf, wenn ich diese Zeilen lese.

Könnte es sein, dass auch der Durchschnittsmensch „wunderbar“ ist? Oder müssen wir uns unser Leben lang nach der Decke strecken? Jede gewöhnliche Wiese kann uns die Antwort auf diese Frage zeigen.

 

Auch das ist ein Urlaubsbild:

Ich lege mich genüsslich auf eine grüne Wiese und genieße den blauen Himmel über mir. Um mich herum schaue ich die grünen Halme an. Obwohl sie kaum zu unterscheiden sind, ist keiner wie der andere. Grashalme, lauter ganz gewöhnliche Grashalme, alle nur Durchschnitt in Größe und Gestalt. Und gerade, wenn das Gras frisch gemäht ist, finden wir diesen Durchschnitt besonders schön. Aber eben diese unzähligen Halme, die nur Durchschnitt sind, bilden die Wiese, auf der ich gerade in schönster Urlaubsstimmung liege.

Offenbar hat der liebe Gott eine Vorliebe für das Gewöhnliche und das Durchschnittliche. Und darum wimmelt es überall von köstlich normalen Wesen, Wesen wie Du und ich.

Amen.

Axel Rothermundt ist Pastor in Harsefeld und seit Juni 2018 Mitglied im Vorstand der Stader Bibel- und Missionsgesellschaft e.V.

 

Andacht zum 8. Sonntag nach Trinitatis - Pastorin Sonja Domröse, Stade

Wie so oft war es auch in dieser Nacht gegen Morgen ziemlich kalt geworden. Es war zwar schon Mai, aber die Nächte waren noch empfindlich kalt, manchmal sogar frostig. Im Zelt, unserer großen Pfadfinder-Jurte, lagen wir dicht aneinander in unseren Schlafsäcken. So war es wenigstens ein wenig wärmer.

Aber da brannte in der Mitte ja auch noch das Lagerfeuer, an dem wir abends noch zusammengesessen hatten und bis tief in die Nacht hinein über Gott und die Welt gesprochen hatten. Wie es so 18-, 19-Jährige eben machen.

Morgens dann, wenn wir Glück hatten, glimmte das Feuer noch schwach und wer als Erste wach wurde, nahm einen trockenen Zweig und entfachte das Feuer von neuem, damit allen wieder rasch warm wurde und es nicht allzu viel Überwindung kostete, aus dem warmen Schlafsack zu schlüpfen und über das vom Tau noch feuchte Gras in den kühlen Mai-Morgen zu stapfen.

Das wärmende Feuer war bei jedem unserer Lager der Mittelpunkt, denn hier wurde gekocht, gegessen, gesungen, miteinander gelacht und auch oft gestritten, hier kamen wir als Pfadfinder-Gruppe zusammen.  Und dieses Bild vom Lagerfeuer kam mir in den Sinn, als ich diese Bibelworte las:

Darum rufe ich dir ins Gedächtnis: Entfache die Gnade Gottes wieder, die dir durch die Auflegung meiner Hände zuteilgeworden ist! Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. 2. Timotheus, 6-7

 Ein schönes Wort gleich zu Anfang: „Entfache die Gnade Gottes wieder!“

Entfachen ist etwas Zartes und Behutsames. Dort wo es nur noch glimmt, sorgt das Entfachen dafür, dass ein Feuer wieder anfängt zu lodern und Flammen schlägt.

Das Bild des Feuers begegnet uns in der Bibel ja an vielen Stellen, wenn es um Erfahrungen mit Gott, seiner Kraft und Energie geht.

Da ist der lodernde Dornbusch, aus dem heraus Gott zu Mose spricht und ihm den Auftrag gibt, sein Volk Israel aus der ägyptischen Gefangenschaft zu führen.

Nachts leitet Gott sein Volk in einer Feuersäule durch die Wüste, auf dem Weg in das gelobte Land, damit sie den Weg finden.

Der Heilige Geist, Gottes schöpferische Kraft, setzt sich an Pfingsten auf die Schar der verängstigten Jünger Jesu wie kleine Feuerflammen und sie beginnen, in den verschiedensten Sprachen der Erde Menschen von Jesus zu erzählen, von der Liebe und der Gnade Gottes, die mit diesem Jesus von Nazareth für alle offenbar geworden ist.

„Entfache die Gnade Gottes wieder“

Auch heute ist Gottes Kraft und Energie an vielen Orten zu spüren. Denn wie Viele setzen sich ehrenamtlich für andere ein und entfachen damit Mitmenschlichkeit, Wärme und Gemeinschaft. Manchmal ist es vielleicht eher wie ein unscheinbares Glimmen und manche wollen auch nicht viel Aufhebens aus ihrem Engagement machen. Und doch haben sie damit Anteil an der Energie, dem Feuer Gottes.

Ob es nun glimmt oder auch richtig lodert, als christliche Gemeinde wollen wir etwas weitergeben von der Liebe Gottes.

Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.

 Gottes Gnade ist uns geschenkt. Oder um es im Bild des Entfachens zu sagen: Wir haben nicht das Zündholz in der Hand, mit dem wir das göttliche Feuer zum Leuchten und Lodern bringen können. Aber wir können aus der Glut der göttlichen Gnade immer wieder Funken schlagen und seine Gnade zum Entflammen bringen.

Es grüßt Sie herzlich

Ihre  Sonja Domröse, Pastorin und stellv. Vorsitzende der Stader Bibel- und Missionsgesellschaft

Andacht zum 7. Sonntag nach Trinitatis - Pastor Axel Rothermund, Harsefeld

Abendmahl aus der Tüte

Wir haben es getan. Nun schon zum zweiten Mal. Wir haben im Gottesdienst Abendmahl unter Corona-Bedingungen gefeiert. Das meiste war so, wie gewohnt: Auf dem Altar standen die Abendmahlsgeräte. Bis zum Abendmahlsteil bedeckt mit dem Velum, einem weißen Leinentuch. Zur Abendmahlsliturgie wurde das Tuch abgenommen. Bei der Liturgie wurde, wie gewohnt der Teller mit den Oblaten und der Kelch erhoben. Nur bei der Austeilung hieß es nicht: „Und nun kommt, denn es ist alles bereit“. Denn jeder blieb an seinem Platz. Es hieß nur: „Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist. Wohl dem, der auf ihn traut.“ Und nun kamen die Tüten ins Spiel. Jeder hatte am Eingang eine Tüte mit einem Abendmahlssymbol bekommen. Darin befand sich – hygienisch verpackt – eine Oblate und eine Weintraube. Die Tüte sollte mit an den Platz genommen werden, damit jeder sie bei der Austeilung vor sich hatte.

Nun wurde sie geöffnet. Zu den Worten „Christi Leib für Dich gegeben“ haben wir dann gemeinsam die Oblate gegessen. Danach, zu den Worten „Christ Blut für Dich vergossen“, wurde gemeinsam die Weintraube verspeist. Danach hieß es: „Das stärke und bewahre Dich im Glauben zum ewigen Leben. Amen.“

Was meinen Sie – durften wir das so machen? War das ein einsetzungsgemäßes Abendmahl? Die Teilnehmer haben jedenfalls überwiegend positiv reagiert. Als Pastor habe ich selten eine so intensive und konzentrierte Abendmahlsfeier erlebt. Mache, die gemeinsam in der Bank saßen, haben sich die Abendmahlsgaben sogar gegenseitig gereicht. Gerade in Corona-Zeiten brauchen wir die Stärkung durch das Abendmahl ganz besonders.  Vielleicht ist das Abendmahl aus der Tüte eine Möglichkeit dazu.

Axel Rothermundt ist Pastor in Harsefeld und seit Juni 2018 Mitglied im Vorstand der Stader Bibel- und Missionsgesellschaft e.V.