Andacht - Pastorin Dorlies Schulze, St. Cosmae-Kirchengemeinde Stade
 
 

Der Herr ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden – Halleluja!

Liebe Mailgemeinde,

so rufen wir es morgen frei und fröhlich am Ostertag, wenn die Glocken wieder läuten, die Orgeln wieder spielen und vielerorts Präsenzgottesdienste zum Osterfest stattfinden.

Ich freue mich schon darauf. Ich freue mich auf den Frühgottesdienst in St. Cosmae morgens um 6.00 Uhr, wenn es zu Beginn noch sehr schummrig sein wird und nach und nach das Licht des Ostermorgens, das Licht der Auferstehung in die Kirche und in unsere Herzen einziehen wird. Ich bin wirklich kein Frühaufsteher – aber einmal im Jahr muss es sein und es lohnt sich so. Ja, es wird anders sein, als wir uns wünschen, ohne einen persönlichen Segen mit Handauflegung, ohne Abendmahlsgemeinschaft, aber doch mit einem kleinen Vorgeschmack darauf. Immerhin – in diesem Jahr können wir zu unserem wichtigsten Fest wieder in unseren Kirchen feiern – das ist doch wahrlich ein Osterfunken.

Ein früher Osterfunken blitzte für mich am vergangenen Sonntag beim Gottesdienst zu Palmarum für mich auf. Meine Kollegin Johanna Wutkewicz und ich feierten einen fröhlichen Gottesdienst zum Thema Begeisterung und irgendwie waren wir selbst auch ganz begeistert dabei, wie auch unser Kantor Martin Böcker und auch die sich an unserer Begeisterungs-Umfrage beteiligende Gemeinde. Da war Leben, geteilte Freude und Gemeinschaft trotz Abstand und Masken.

Ein weiter Osterfunken leuchtet bei unserer kleinen Aktion “Osterkreuz“ hervor, auch für Sie und euch. Einige Kinder unserer beiden Kitas Arche und Cosmae-Spatzen und Kinder des Kindergottesdienstes haben Kisten gestaltet, die zusammen ein Osterkreuz ergeben. Dafür haben wir beim Obstbauern Meyer in Hollern 6 Apfelkisten ausgeliehen und zu verschiedenen Geschichten aus Jesu letzten Tagen gestaltet. Die unterste Kiste erzählt den Einzug in Jerusalem mit begeistert winkenden Playmobilmännchen und Jesus auf einem Esel. Die zweite Kiste zeigt das letzte Mahl Jesu: um einen festlich gedeckten Tisch sind in Schale geworfene Wikinger, Polizisten und Piraten zu sehen und ganz vorn wäscht Jesus einem Jünger mit Augenklappe die Füße in wild schäumendem Wasser – da wird diese Geschichte nochmal ganz neu geschrieben. Darüber betet Jesus im bunt erblühten Garten Gethsemane. Und ein großer roter Mund erzählt vom Kuss des Judas. In der vierten Kiste kräht laut ein bunter Hahn und Petrus steht traurig und verloren im Hof. Daneben steht die fünfte Kiste – beide ergeben den Querbalken des Osterkreuzes –  und sie zeigt den Hügel von Golgatha mit den drei Kreuzen und vielen Tränen, die um Jesus damals bis heute geweint wurden. Ganz oben leuchtet hell und bunt die Kiste der Auferstehung. Das Grab ist leer, der Stein weggerollt und ein fröhlicher Engel steht dabei.
Das wunderschöne Osterkreuz können Sie sich bei einem Osterspaziergang gern ansehen, es steht im Schaufenster unserer christlichen Buchhandlung „Kapitel 17“ in der Hökerstraße. Die Geschäftsführerin Christiane Huß war sofort begeistert von der Idee und hat uns dafür eines der Fenster zur Verfügung gestellt – auch dies ein Osterfunken.

Und heute bekam ich am Ende eines täglich beschrittenen Whatsapp-Passionsgebetsweges eine Osterfunken-Karte, dieses Mal nicht auf dem Handy, sondern ganz echt mit versteckten Blumensamen, ich bin gespannt, was daraus wird und dankbar für diese Psalmgebets-Aktion, die eine Handygemeinde miteinander verband und es immer wieder in mir leuchten ließ.

Und wenn man derzeit rausgeht und Stade und Umgebung erkundet, blüht und spießt es überall, das Leben bricht sich Bahn in den Parks, den Schwingewiesen, Mooren, kleinen Wäldchen und an der Elbe – überall winzige Osterfunken.

Ich hoffe, auch Sie haben schon manchen Osterfunken entdeckt. Gerade in dieser Zeit ist es so wichtig und wohltuend, nach diesen kleinen Zeichen des Lebens, des Auferstehens und des Mitgehens Gottes Ausschau zu halten.

Vielleicht besuchen Sie morgen einen Gottesdienst oder sehen sich einen im Fernsehen an. Vielleicht mögen Sie den Plakat-Kreuzweg in der Stadt nochmal abgehen und sich dort einen blumigen Ostergruß und einen Ostersegen abholen. Und dann trauen Sie sich ruhig in den alten Osterruf einzustimmen:
Der Herr ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden – Halleluja!

Und die ganz Mutigen tanzen vielleicht J:  Das unten stehende Lied lädt dazu ein.

Ostern – Gott sagt JA zum Leben.

(das Lied könnt ihr auf youtube in verschiedenen Varianten finden, ich finde es ganz hübsch von zwei Mädchen interpretiert unter:
Wir stehen im Morgen NL 219 Öhringen Bezirkskantorat)

1 Wir stehen im Morgen. Aus Gott ein Schein durchblitzt alle Gräber. Es bricht ein Stein.
Erstanden ist Christus. Ein Tanz setzt ein.
Refrain: Halleluja, Halleluja, Halleluja, es bricht ein Stein.
Halleluja, Halleluja, Halleluja, ein Tanz setzt ein.

2 Ein Tanz, der um Erde und Sonne kreist: Der Reigen des Christus, voll Kraft und Geist.
Ein Tanz, der uns alle dem Tod entreißt.
Refrain: Halleluja, Halleluja, Halleluja, es bricht ein Stein…

3 An Ostern, o Tod, war das Weltgericht. Wir lachen dir frei in dein Angstgesicht.
Wir lachen dich an, du bedrohst uns nicht.
Refrain: Halleluja, Halleluja, Halleluja, es bricht ein Stein…

4 Wir folgen dem Christus, der mit uns zieht, stehn auf, wo der Tod und sein Werk geschieht,
im Aufstand erklingt unser Osterlied.
Refrain: Halleluja, Halleluja, Halleluja, es bricht ein Stein…

5 Am Ende durchziehn wir, von Angst befreit, die düstere Pforte, zum Tanz bereit.
Du selbst gibst uns, Christus, das Festgeleit.
Refrain: Halleluja, Halleluja, Halleluja, es bricht ein Stein…

Herzliche Grüße und gesegnete Ostern wünscht Ihnen und euch Dorlies Schulze

Die Stader St. Cosmae-Kirchengemeinde ist seit den 50-er Jahren Mitglieder der Stader Bibel- und Missionsgesellschaft.

 

 
 
 
 
Andacht - Pfarrer Tim Keßler, Heilig Geist Gemeinde Stade

 
Liebe Mailgemeinde!
Nun geht es in den Endspurt!Mit dem 5. Fastensonntag beginnt die unmittelbare Vorbereitung auf die Kar- und Ostertage. In diesem Schlussspurt wird unser Augenmerk besonders auf die Passion, die Leidensgeschichte, Jesu gelenkt. Verdichten wird sie sich an Gründonnerstag und Karfreitag mit dem letzten gemeinsamen Mahl, das Jesus mit seinen Jüngern hält und seiner Kreuzigung.Endspurt. Das ruft bei mir als Sportler hervor, dass ich nochmal so richtig Gas gebe; nochmal alle Kräfte mobilisiere und mich auspower. Für eine (geistliche) Vorbereitung auf die Festtage hört sich das erstmal komisch an. Ich kann dem Gedanken aber etwas abgewinnen. Ich spüre wie ich mich innerlich auf die bevorstehenden Tage ausrichte, ohne dass ich mich gezielt darauf konzentriere.So saß ich die Tage abends auf dem Sofa und blätterte in einer Trekking Zeitschrift. Eigentlich wollte ich mich entführen lassen an schöne Orte, zu denen sich eine Reise lohnt. So ganz nach dem Motto, wenn ich im Moment schon nicht real verreisen kann, dann wenigstens in Gedanken und später dann so richtig. Ich stieß bei einer Wanderbeschreibung auf Allerweltsbegriffe, die so gar nichts mit Glaube und Kirche oder mit den Kar- und Ostertagen zu tun hatten. Und trotzdem gab es plötzlich eine Verbindung, die mich genau dorthin gebracht hat. Ich hatte eine Idee im Kopf und dachte, `Mensch vielleicht ist das doch etwas für die Kar- und Ostertage, daran könnte ich meine Gedanken in den Gottesdiensten aufbauen ́. Ich habe mir sofort ein, zwei Stichworte gemacht, um sie nicht zu vergessen.Sie würden jetzt sicherlich gerne wissen welche das waren – sorry, aber dann wären sie ja für die Feiertage verbraucht. Und ich weiß noch gar nicht, ob sie es überhaupt bis dahin schaffen.Aber ist es nicht manchmal verrückt, wie der Geist doch schon auf einem Weg ist zu bestimmten Dingen. Da läuft im Hintergrund ganz unbemerkt etwas ab, was sich für mich genau mit dem Bild des Endspurts verbindet. Es findet eine Ausrichtung statt auf etwas das vor mir liegt und das auf jeden Fall kommen wird. In welcher Art und Weise wir Ostern dieses Jahr auch immer feiern werden.
 

Nun könnte man sagen: Ja, du bist als Priester darauf konditioniert, dir rechtzeitig Gedanken zu machen. Vielleicht. Vielleicht läuft da tatsächlich ein Automatismus ab. Trotzdem erstaunt es mich total, wenn zu Zeiten, an denen ich überhaupt nicht daran denke, solche Gedankenverbindungen wie von selbst kommen. Ich frage mich dann, wie mein Kopf zu solchen Einfällen kommt? Wie werden solche Trigger gesetzt, dass ich beim Lesen einer Trekking Zeitschrift plötzlich eine Idee bekommen, die so gar nichts mit der Lektüre zu hat?Es ist Zeit für den Endspurt. Der Geist richtet sich in den Wochen der Fastenzeit auf sein Ziel aus: Die Passion und Auferstehung Jesu. Das Geschenk Gottes an uns Menschen aus seiner Liebe und Hingabe zu leben.Ich hoffe und wünsche allen, dass sie solche Erfahrungen in diesen Wochen der Vorbereitung machen durften oder im Endspurt erfahren dürfen. Einen guten Schlussspurt der Fasten- und Passionszeit wünscht

Timm Keßle, Pfarrer der Heilig Geist Kirchengemeinde, Katholische Gemeinde an der Unterelbe.

Die Katholische Heilig Geist Kirchengemeinde ist seit 2012 Mitglied der Stader Bibel- und Missionsgesellschaft e.V. Eine schöne ökumenische Verbindung.
 
 
 
 
Andacht - Pastorin Heike Kehlenbeck, Stade Bützfleth
Wort zum Sonntag Okuli 2021
Liebe Andachtsgemeinde,„wir werden in ein paar Monaten wahrscheinlich viel einander verzeihen müssen“. Diese Aussage von Jens Spahn aus dem vergangenen Jahr bewahrheitet sich mehr und mehrin dem Versuch, die Corona Krise zu bewältigen. Es läuft nicht alles so glatt und reibungslos, wie wir uns das wünschen und auch von der Regierung erwar-ten. Dass uns Corona auch in diesem Jahr noch lange beschäftigen wird, wird immer offensichtlicher. Ichbin froh, dass ich die Entscheidungen nicht zu treffen brauche, die derzeit getroffen werden müssen. „Wir werden einander viel verzeihen müssen“ birgt die Hoffnung auf einen Neuan-fang nach einem Fehler. Wie oft wünschen wir uns das selber? Neu anfangen zu können nach einem Streit, nach einem Fehler, nach einem Versagen…? Denn wir merken ja, dass es nicht wirklich hilft, eine Schuld zu verstecken. Irgend-wann holt uns das wieder ein. Unser Leben ist blockiert. Wir haben uns gerade mit unseren Konfis damit beschäftigt, wie wichtig es ist, um Verzeihung zu bitten und Verzeihung auch zu gewähren, damit das Miteinander ge-lingt. Und auch, wie schnell wirin eine Situation hineinrutschen können, in der wir schuldig werden. Einfach weil wir einem hohen Anspruchan uns (selbst) nicht ge-recht werden, uns ein falsches Wort herausrutscht, wir unter Anspannung stehen und falsch reagieren. Gerade diese letzten Monate in der Pandemie haben die Möglich-keiten noch um einiges erweitert. Je länger sie dauert, desto mehr liegen die Nerven blank.WirbrauchenVergebung, um neu anfangen zu können. Und manchmal sind wir die-jenigen, die Vergebung gewähren müssen. „Ahmt Gott nach als geliebte Kinder und wandelt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat … Wandelt als Kinder des Lichts: die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.“(Eph 5, 1.2.8.9 in Auswahl). So heißt es in der Epistel, dem Predigttext für den morgigen Sonntag.
 

Wer sich geliebt weiß, lebt anders. Das kann jede bestätigen, diesichgeliebt fühlt. Da kommt Freiheit ins Leben, Mut und ganz viel Vertrauen.Ich kann neue Wege ausprobieren, die sich möglicherweise als falsch erweisen. Ich kann etwas Neues wagen, alte Verhaltensmuster verlassen und bin getragen dabei. Und gleichzeitig ist es die Liebe, die mich dann auch erkennen lässt, wo ich falsch liege. Die mir zeigt, wie ich es besser machen könnte.GottesLiebe hilft uns zu einem aufrechten Leben. Sie hilft uns, Verantwortungzu übernehmen. Denn auch das gehört ja zu einemfreien und aufrechten Leben, dass ich verantwortlich bin für das, was ich tue oder lasse. Ich habe manchmal den Eindruck, je besser es uns geht, desto mehr sind wirso mit uns selber beschäftigt, dass wir auch nur noch uns selber sehen. Der morgige Sonn-tag „Okuli“ erinnert uns daran, uns den Blick weiten zu lassen, indem wir unsere Au-gen auf Jesus Christusrichten. Unser Blick wird befreit aus der Befangenheit unserer Selbstbetrachtung. Es geht nicht immer nur um uns. Es geht auch um die Menschen neben uns, an unserer Sei-te und drei Häuser weiter. Es geht um die fernen Nächsten, die oft unter ganz ande-ren Bedingungen leben und irgendwie zurechtkommen müssen und das oft fröhlicher und getroster schaffen als wir. Mit einem Teil aus der Bitte um Vergebungaus der Gottesdienstordnung aus Vanu-atu zum gestrigen Weltgebetstag will ich schließen:Vater und Mutter im Himmel, geheiligt werde dein Name. Wir bauen auf deine Gnade und bekennen unsere Sünden. Wir bekennen, dass wir dein Wort gehört, aber nicht danach gehandelt haben. Oft tun wir Dinge, die wir nicht tun sollten, und unterlassen, was notwendig wäre.In unseren Familien und in unseren Völkern stehen wir vor Widrigkeiten und Heraus-forderungen. Wir meinen, dass wir auf den Worten Jesu aufbauen, doch tatsächlich haben wir auf Sand gebaut. Wir wollen uns von dir verändern lassen. Mache uns heil, damit wir tun, was gerecht und richtig ist  .Amen.

 

Heike Kehlenbeck, Pastorin im Stadtpfarramt Stade. Kirchengemeinde Bützfleth. Die Kirchengemeinde Bützfleth ist seit 1950 Mitglieder der Stader Bibel- und Missionsgesellschaft
 
 
 
 
Andacht - Pastor Dr. Wilfried Behr, Stade
 
 
 
 

Man kannes als ein besonderes Vorrecht betrachten, dass wir als Christen in diesen Wochen vor Ostern aufgefordert sind, uns im Lesen einzelner Geschichten mit auf den Leidensweg Jesu zu begeben. So stelle ich an den Anfang einen kurzen Abschnitt aus der Passionsgescchichte des Markusevangeliums: „Und alsbald am Morgen hielten die Hohenpriester Rat mit den Aeltesten und Schriftgelehrten, dazu der ganze Hohe Rat, und sie banden Jesus und führten ihn ab und überantworteten ihn Pilatus. Und Pilatus fragte ihn: „Bist Du der König der Juden?“Er aber antwortete ihm und sprach: „Du sagst es“. Und die Hohenpriester beschuldigten ihn hart. Pilatusaber fragte ihn abermals und sprach: „Antwortest Du nichts? Siehe, wie hart sie dich verklagen!“Jesus aber antwortete nichts mehr, sodass sich Pilatus verwunderte“(Markusevangelium 15,1-5).Wir sind hier mitten in einer Situation, in der sich die Lage für Jesus zuspitzt. Noch berät ein Gremium über ihn, von dem er sich Schutz und Unterstützung erhoffen könnte. Neben den höchsten Amtsträgern des jüdischen Volkes und anderen gewählten oder nach strengen Regeln bestimmten Mitgliedern dieses hohen Rates sind doch auch Schriftgelehrte unter ihnen. Menschen, denen man nicht einfach unterstellen sollte, sie wären nur auf ihren Vorteil bedacht und orientierten sich ausschließlich an dem, was in jeder Situation ihre Position stärken könnte. Sie forschen und fragen nach dem Willen Gottes in der heiligen Schrift, sie fragen nach dem Kommen Gottes in der Zeit, nach den erkennbaren Zeichen des einen göttlichen Boten. Von ihnen könnte Jesus doch Verständnis und eventuell Unterstützung erwarten.Doch wie viele unterschiedliche Stimmen es auch in diesem höchsten Gremium gegeben haben mag, eine gewisseMehrheitging in eine andere Richtung. Sie betrachtete Jesus als Störfaktor für das eigene religiöse Leben. Vermutlich gab es auch die Angst, das Auftreten Jesu könne nur noch für Unruhe sorgen und am Ende zu einer Verschlechterung der eigenen Situation führen. Deshalb überhäuft man Jesus mit Vorwürfen, unter anderem mit der Anklage einer gotteslästerlichen Anmaßung. Deshalb versucht man aber auch, sich der Verantwortung zu entziehen und das Problem dorthin zu schieben, wo es `von allein ́ gelöst werden kann. Der römische Statthalter Pilatus schien vermutlich gewissenlos und brutal genug, um Jesus aus dem Verkehr zu ziehen.So einfach lässt Pilatus sich nun aber doch nicht für die Ziele anderer benutzen. Er fragt immerhin, er gibt Jesus immerhin die Möglichkeit einer Antwort. So fordert er ihn heraus und will wissen: „Bist du der König der Juden?“ Jesus antwortet, aber er antwortet nicht so, wie man es erwarten könnte. Er sagt nicht: Ja, das stimmt. Er reagiert zurückhaltender. Einerseits bejaht er die Frage, andererseits lässt seine

 

2Antwort doch auch etwas offen. Er spricht und sagt zu Pilatus: „Du sagst es“. Was meint er damit?Vielleicht auch dies: Eine Antwort, in der der andere nicht vorkommt, kann es auf diese Frage gar nicht geben. Denn sie muss offensichtlich neu und anders beantwortet werden alsbisher. Als eine reine Machtfrage wäre dieses Ansinnen nicht auf die Antwort anderer angewiesen. Sie enthält aber mehr. Dann muss ich auch bereit sein zu verstehen, wie Gott als König zu uns Menschen kommt. Dann kann ich das immer nur selber sagen.„Wenndu es weißt, dann sag es doch selber“, so könnte man diese Antwort auch verstehen.Indem Jesus zaghaft antwortet, liegt vielleicht auch eine letzte Unsicherheit in seinem eigenen Herzen. Wie kann er denn beanspruchen, im Zeichen der Liebe Gottes zu den Menschen zu kommen, wenn er mitdiesem Anspruch ganz offensichtlich scheitert. Er ist ja kurz davor, ganz zum Verstummen gebracht zu werden.Die Mitglieder des hohen Rates reizt Jesu Antwort dabei nur um so mehr. Und von Neuem muss er sich deren Anschuldigungen anhören. Und Pilatus fühlt sich offenbar gedrängt, noch einmal zu fragen: „Antwortest du nichts?“. Diesmal schweigt Jesus tatsächlich. „Jesus aber antwortete nichts mehr“, so heißt es am Ende dieses kurzen Berichtes. Ein Schweigen steht am Schluss, ein wortloses Aushalten, in dem dennoch Jesu ganzes Leben schon und noch verborgen liegt. Auch das ist ein Teil der Passionszeit: An diesem Schweigen teilzuhaben und dennoch nicht zu verzweifeln. Es soll und wird ja das Wort kommen, das klar ist und das wirdann wirklich verstehen.

 

Pastor Dr. Wilfried Behr (Johannisgemeinde Stade) ist seit 2018 Mitglied der Stader Bibel- und Missionsgesellschaft e.V.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Andacht - Pastor Gerd Heibutzki, Elm

Meine Frau und ich haben zwei Jahre auf der Insel Borkum gewohnt. Das war eine schöne Zeit, an die ich gerne zurück denke: der Strand, die Dünen, der Wind und auch die Stürme auf der Insel. Besonders sind mir aber auch im September und Oktober die Schwärme von Zugvögeln in Erinnerung. Zum Wattenmeer auf der Ostseite waren die Wiesen und das Watt von Tausenden von Vögeln besetzt und wenn sie aufflogen, dann war der Himmel mit einer schwarzen Wolke bedeckt. Sie alle machten sich auf, ihren Weg gen Süden in ihre Winterquartiere zu reisen. Woher kennen sie ihren Weg? Woher wissen sie, wo es warm und futterreich sein wird? 
In der Bibel wird dieses Wissen und diese Klugheit der Vögel auch bemerkt. Nur wir Menschen wissen so wenig über unseren Ursprung, unseren Weg und unser Ziel. „Ein Storch unter dem Himmel weiß seine Zeit, eine Turteltaube, Kranich und Schwalbe merken ihre Zeit …aber mein Volk will das Recht des HERRN nicht wissen.“ (Jeremia 8,7) Wer leitet uns auf unserem Weg? Wir sollen aufmerksam sein, was uns Gottes Geist zu sagen hat. Wir haben Gottes Wort, das uns Impulse gibt für unser Tun und Denken. Wenn ich die Tageslosungen oder den Bibeltext für die nächste Predigt bedenke, dann bekomme ich neue Anstöße für meinen Weg. Hier ist vom Recht des Herrn die Rede. Die Zehn Gebote gelten immer noch und sind in unserer Zeit wichtiger denn je. Aber auch Jesu Worte von Nachfolge, Vergebung, Liebe leiten uns. Überhaupt: wir finden unseren Weg und unser Ziel im Glauben an Jesus Christus. Bei ihm ist unser Sommerquartier, Wärme und Licht. Bei ihm finden wir Trost und Vergebung, Mut und neue Kraft für den kommenden Tag.

Pastor Gerd Heibutzki, Elm, Mitglied im Vorstand der Stader Bibel- und Missionsgesellschaft seit 2000

 

Andacht 12. Sonntag nach Trinitatis - Superintendent Dr. Thomas Kück, Stade

Liebe Leserin und lieber Leser,

morgens lese ich gerne die Losungen. Noch vor dem Frühstück und dem ersten Kaffee. Was mich geistlich stärkt, sind die Losungen. Erst das Losungswort aus dem Alten Testament und dann der dazu gestellte Lehrtext aus dem Neuen Testament.

Nicht immer sprechen mich die Worte an. Ich weiß nicht, warum. Vielleicht, weil ich mit meinen Gedanken schon woanders bin. Bei dem, was am Tag alles passieren wird und worauf ich mich einstellen muss. Oder aber das Wort passt nicht zu meinem Erleben. Nicht zu dem, was mich gerade beschäftigt. Häufig aber begleiten mich die Losungen durch den ganzen Tag. Morgens gelesen und noch am Abend in Erinnerung.

So wie am Donnerstag. Das Losungswort aus dem Buch Josua: „Der Herr, unser Gott, hat uns behütet auf dem ganzen Wege, den wir gegangen sind“ (Josua 24, 17). Und dazu der Lehrtext: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“ (Matthäus 28, 20).

Die beiden Verse haben mich den ganzen Tag begleitet bis zum Schreiben dieser Andacht. Bei Josua geht der Blick zurück: Gott hat uns behütet auf dem ganzen Wege, den wir gegangen sind. Wie in dem Choral: Bis hierher hat mich Gott gebracht. – Wie schade, dass wir wegen Corona das Lied nicht singen dürfen!

Josua blickt zurück auf den Weg, den Gott mit seinem Volk gegangen ist: Der Auszug aus Ägypten, die Ankunft im gelobten Land. Was für ein Weg, jahrzehntelang! Und nun der dankbare Rückblick: Auf diesem langen Weg hat Gott uns behütet. Dankbarer Rückblick und Aufruf zugleich: Vergesst das nicht. Denkt daran, was immer auch die Zukunft bringen mag. Gott ist bei uns.

Und genau daran schließt sich der Lehrtext aus dem Matthäusevangelium an. Jesus verabschiedet sich von seinen Jüngern und spricht: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Was haben sie alles gemeinsam erlebt auf dem Weg durch Galiläa hin nach Jerusalem, dann die Kreuzigung und die Auferstehung. Ein Leben voller Vertrauen. Und jetzt beim Abschied die Zusage: Ich bin und ich bleibe bei euch. Was auch geschieht. Darauf könnt ihr vertrauen.

Diese beiden Worte passen auch zur heutigen Mitgliederversammlung unserer Stader Bibel- und Missionsgesellschaft. 1832 wurde sie gegründet. Angefeindet am Anfang. Ihr erster Vorsitzender musste zurücktreten und auch sein Amt als Direktor des Gymnasiums Athenaeum aufgeben, weil er zu sehr angefeindet wurde. Er hatte Gegner, auch weil er selbst wohl kein einfacher Typ war, aber nicht zuletzt, weil die Sache eine Bibel- und Missionsgesellschaft damals nicht nur Zustimmung in der Bevölkerung fand.

Und dennoch hat sich die Gesellschaft durchgesetzt. Seit 188 Jahren verbreitet sie die Bibel in unserer Region zwischen Elbe und Weser, unterstützt die Kirchengemeinden mit christlicher Literatur, die Konfirmandengruppen mit Gesangbüchern, die Kindertagesstätten und Krankenhäuser und … und … und …

Seit über einem Jahr betreiben wir das Kapitel 17 in der Hökerstraße in Stade. Ein niedrigschwelliges Kontaktfenster für Kirche und Glauben.  Und das funktioniert tatsächlich. Immer wieder erlebe ich das so, wenn ich dort bin und mitkriege, wie Kunden sich informieren und von unserem ehrenamtlichen Team beraten werden. Klasse!

Corona war in diesem Jahr ein herber Einschlag. Das Geschäft musste geschlossen werden. Das war schlimm, wie für alle anderen Geschäfte auch. Glücklicherweise ist der Shutdown zu Ende. Zwar ist Corona noch nicht überwunden, aber mit Einschränkungen, Abstand und Hygieneregeln kriegen wir das ganz gut hin.

Was mich darin zuversichtlich macht, sind die biblischen Worte, die mich begleiten. Die Losungen an jedem Tag. So geht mein Blick zurück mit dem Wort aus dem Buch Josua: „Der Herr, unser Gott, hat uns behütet auf dem ganzen Wege, den wir gegangen sind“. Und ich richte den Blick nach vorn im Vertrauen auf das Wort von Jesus: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“. Amen.

Stade, den 28. August 2020

Dr. Thomas Kück

Vorsitzender der Stader Bibel- und Missionsgesellschaft seit 2009

 

 

Andacht zum 11. Sonntag nach Trinitatis - Pastor Gerd Heibutzki, Elm

Es war im Urlaub vor einigen Jahren. Schon als ich bei dem Hotel aus dem Bus ausstieg, hörte ich den durchdringenden Schrei. Das muss ein Pfau sein! Und wirklich, hinter dem Hotel war ein schöner Park mit Schafen, Ziegen und bunten Hühnern – und eben auch ein Pfau. Da posierte er auf einem kleinen Zaun und hatte seine prächtigen Schwanzfedern zu einem beeindruckenden Rad aufgeschlagen. Wie wunderbar!  Er hat wirklich etwas vorzuweisen, dieser Angeber!
Was kann ich eigentlich vorweisen? Womit kann ich angeben?
Vielleicht mit meiner Kleidung. Sollte ich es wagen, die bunte Karohose hervorzuholen und anzuziehen? Die Leute würden Augen machen und sich den Mund zerreißen.  Vielleicht mit meinen beruflichen Erfolgen, dass ich es zu Besitz und Wohlstand gebracht habe? Vielleicht mit meiner Familie, Kindern und Enkelkindern? Und was habe ich alles geleistet für die Allgemeinheit oder in den Vereinen:  ich musiziere und singe im Chor.  Ja es gibt manches, worüber ich mich freuen und dankbar sein  kann. Und hin und wieder tut es doch gut, sich positiv darzustellen und die besten Seiten hervor zu kehren.
Die andere Seite halte ich lieber unter Verschluss: Angst, Schuld, und Schwäche, dann bliebe von der ganzen Pracht nicht mehr viel zurück.
Was kann ich vorweisen? Ich denke: Nicht viel.  Aber ich darf doch froh sein über das, was Gott mir gibt: über die Gnade Gottes, dass ich zu ihm gehöre und er mir täglich seine Liebe schenkt: „Christi Blut und Gerechtigkeit, das ist mein Schmuck und Ehrenkleid, damit will ich vor Gott bestehn, wenn ich zum Himmel werd eingehn.“

Pastor Gerd Heibutzki, Elm, Mitglied im Vorstand der Stader Bibel- und Missionsgesellschaft seit 2000

Andacht zum 10. Sonntag nach Trinitatis - Pastor Matthias Schäfer, Bremerhaven

Beten. – Ein Film

Jerusalem. In der Mitte der Stadt erhebt sich der neu erbaute Tempel. Rauchfahnen steigen auf. Zoom: der von Menschen gefüllte Innenhof. König Salomo vor dem Altar, die Hände gen Himmel. Worte hallen wider. Schwenk in die Menge. Manche haben die Augen geschlossen. Andere die Hände erhoben, verzückt.

Bremerhaven. „Ich bete nicht.“ „Und wenn du es musst?“ „Ja dann Händefalten und LieberGotthilfmir.“ „Mal anders probiert?“ „Nö.“ – Ein Mädchen berichtet vom Großvater. Der sagt, man solle nicht in Unterwäsche oder Schlafanzug beten, sondern richtig gekleidet. Außer man muss im Bett liegen. Gebet mit Haltung. – Ein Ehepaar: Sie haben begonnen, beim Beten und beim Segen die Augen zu schließen zur Sammlung, die Hände zu öffnen zum ‚Empfang‘. – Ein junger Mann hat auf einer Freizeit gemerkt, wie schön es sich anfühlt, draußen mit offenen Händen die Luft zu spüren. Zuhause aber traut er sich nicht. – Eine Frau, die ganz direkt zum Herrn Jesus spricht, mit ihm redet wie total vertraut. – Ein Mann erzählt, dass er nur das Vaterunser nimmt. Er kann nicht so mit eigenen Worten. – Ein Pastor gibt zu, dass er manchmal zum Beten kniet. Das hilft ihm, nichts anderes zu tun. – Man kann im Gotteshaus beten, allein, mit anderen, zuhause, im Wald. Manchmal helfen die Orte. So wie es helfen kann, Hände zu falten, zu öffnen oder andere Haltungen. Aber letztlich egal. Beten geht im Herz, im Kopf. Oder dazwischen hin und her. Gott wohnt da, wo man ihn einlässt.

Jerusalem. Salomos Gebet zur Tempelweihe: „Doch sollte Gott wirklich auf Erden wohnen? Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen. Wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe?“ Schwenk in den Himmel; schnelle Kamerafahrt über Meer und Land.

Langsamer Zoom in eine Kirche. Wände, Mauern. Ein leises Rieseln, Staub, Risse. Salomos Stimme: „… aller Himmel Himmel können dich nicht fassen. Wie sollte es dies Haus …?“ Putz rieselt. Steine, Brocken brechen heraus. Eine hohe Wand aus großen Steinen steht noch: die Westmauer des Tempels. Juden beten mit offenen Händen, nickendem Kopf. Manche stecken gefaltete Zettel in die Fugen. Woanders zündet jemand eine Kerze an, verharrt schweigend.

Gott wohnt, wo man ihn einlässt. Köpfe Herzen Tempel Hütten Kirchen Wohnungen unter dem Himmel Paläste Krankenzimmer Ruinen in den Bergen Moscheen Gefängniszellen Klosterzellen am Wasser Kinderzimmer Notunterkünfte Seelen Küchen.

Matthias Schäfer, Wulsdorf, Mitglied im Vorstand der Stader Bibel- und Missionsgesellschaft seit Juni 2013

Andacht zum 9. Sonntag nach Trinitatis - Pastor Axel Rothermund, Harsefeld

Monatsspruch für August:„Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele“. So heißt es in Psalm 139, Vers 14.

Liebe Leserinnen und Leser! Der Monatsspruch für August passt gut  in die Urlaubszeit. Im Urlaub kommen wir zur Ruhe. Im Urlaub kommen wir zu uns selbst. So ist wenigstens der Plan. Der Urlaub bietet uns die Chance, einmal innezuhalten. Wir müssen nicht schon wieder etwas tun. Wir können einmal in Ruhe nachdenken über uns und unser Leben.

Der 139. Psalm ist eine einzige Meditation über unser Leben. Da spricht uns jemand vor, wie das aussehen kann, wenn wir Bilanz ziehen. Wenn wir zurückblicken und uns klar werden, wo wir eigentlich gelandet sind mit unserm Leben.

Das spannende dabei ist, das hier nicht jemand einfach nur Nabelschau betreibt. So eine Nabelschau kann nämlich leicht in die Irre führen. Man bleibt bei sich selbst und es ändert sich nichts.

Der Psalmbeter macht es anders. Er betrachtet sein Leben im Angesicht Gottes.

„ HERR, du erforschest mich und kennest mich. Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne. Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege“. So beginnt er seine Betrachtung.

So möchte ich das auch tun, wenn ich im Urlaub die Gelegenheit dazu habe.

Ich erinnere mich noch gut daran, wie mir das einmal gelungen ist. Ich lag auf meiner Liege und las ein kleines Büchlein. Dann legte ich es neben mich und machte eine kleine Pause. In dem Moment kam ein anderer Urlauber vorbei und sah sich das Büchlein an. „Ach“, sprach er mich an „Sie lesen ein Buch von Reinhard Deichgräber? Den lese ich auch sehr gerne. Der hat wirklich etwas zu sagen“.

Das fand ich damals sehr witzig. Dass da auf Kreta zufällig jemand rumlief, der mein Buch kannte. Das Buch heißt „Stufen des Glaubens – Stufen des Lebens“. Einen Satz für Menschen in der mittleren Lebensphase habe ich mir damals unterstrichen. Er lautet ungefähr so:

„Eine der schwierigsten Aufgaben, die das Leben fast jedem stellt ist: sich mit seiner eigenen Durchschnittlichkeit zu versöhnen. Die tiefeingewurzelte Vorstellung, wir müssten Überragendes leisten, muss bei dieser Gelegenheit sterben“.

Und weiter heißt  es in dem Buch: „Wer weiß, dass er mit all seiner Durchschnittlichkeit im Buch des Lebens steht, wird kein Verlangen mehr haben, ins Guinness Buch der Rekorde zu kommen, auch nicht ins Guinnessbuch der frommen Leistungen, falls ein solches irgendwo existieren sollte.“

Soweit die Worte von Reinhard Deichgräber.

Noch heute atme ich auf, wenn ich diese Zeilen lese.

Könnte es sein, dass auch der Durchschnittsmensch „wunderbar“ ist? Oder müssen wir uns unser Leben lang nach der Decke strecken? Jede gewöhnliche Wiese kann uns die Antwort auf diese Frage zeigen.

 

Auch das ist ein Urlaubsbild:

Ich lege mich genüsslich auf eine grüne Wiese und genieße den blauen Himmel über mir. Um mich herum schaue ich die grünen Halme an. Obwohl sie kaum zu unterscheiden sind, ist keiner wie der andere. Grashalme, lauter ganz gewöhnliche Grashalme, alle nur Durchschnitt in Größe und Gestalt. Und gerade, wenn das Gras frisch gemäht ist, finden wir diesen Durchschnitt besonders schön. Aber eben diese unzähligen Halme, die nur Durchschnitt sind, bilden die Wiese, auf der ich gerade in schönster Urlaubsstimmung liege.

Offenbar hat der liebe Gott eine Vorliebe für das Gewöhnliche und das Durchschnittliche. Und darum wimmelt es überall von köstlich normalen Wesen, Wesen wie Du und ich.

Amen.

Axel Rothermundt ist Pastor in Harsefeld und seit Juni 2018 Mitglied im Vorstand der Stader Bibel- und Missionsgesellschaft e.V.

 

Andacht zum 8. Sonntag nach Trinitatis - Pastorin Sonja Domröse, Stade

Wie so oft war es auch in dieser Nacht gegen Morgen ziemlich kalt geworden. Es war zwar schon Mai, aber die Nächte waren noch empfindlich kalt, manchmal sogar frostig. Im Zelt, unserer großen Pfadfinder-Jurte, lagen wir dicht aneinander in unseren Schlafsäcken. So war es wenigstens ein wenig wärmer.

Aber da brannte in der Mitte ja auch noch das Lagerfeuer, an dem wir abends noch zusammengesessen hatten und bis tief in die Nacht hinein über Gott und die Welt gesprochen hatten. Wie es so 18-, 19-Jährige eben machen.

Morgens dann, wenn wir Glück hatten, glimmte das Feuer noch schwach und wer als Erste wach wurde, nahm einen trockenen Zweig und entfachte das Feuer von neuem, damit allen wieder rasch warm wurde und es nicht allzu viel Überwindung kostete, aus dem warmen Schlafsack zu schlüpfen und über das vom Tau noch feuchte Gras in den kühlen Mai-Morgen zu stapfen.

Das wärmende Feuer war bei jedem unserer Lager der Mittelpunkt, denn hier wurde gekocht, gegessen, gesungen, miteinander gelacht und auch oft gestritten, hier kamen wir als Pfadfinder-Gruppe zusammen.  Und dieses Bild vom Lagerfeuer kam mir in den Sinn, als ich diese Bibelworte las:

Darum rufe ich dir ins Gedächtnis: Entfache die Gnade Gottes wieder, die dir durch die Auflegung meiner Hände zuteilgeworden ist! Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. 2. Timotheus, 6-7

 Ein schönes Wort gleich zu Anfang: „Entfache die Gnade Gottes wieder!“

Entfachen ist etwas Zartes und Behutsames. Dort wo es nur noch glimmt, sorgt das Entfachen dafür, dass ein Feuer wieder anfängt zu lodern und Flammen schlägt.

Das Bild des Feuers begegnet uns in der Bibel ja an vielen Stellen, wenn es um Erfahrungen mit Gott, seiner Kraft und Energie geht.

Da ist der lodernde Dornbusch, aus dem heraus Gott zu Mose spricht und ihm den Auftrag gibt, sein Volk Israel aus der ägyptischen Gefangenschaft zu führen.

Nachts leitet Gott sein Volk in einer Feuersäule durch die Wüste, auf dem Weg in das gelobte Land, damit sie den Weg finden.

Der Heilige Geist, Gottes schöpferische Kraft, setzt sich an Pfingsten auf die Schar der verängstigten Jünger Jesu wie kleine Feuerflammen und sie beginnen, in den verschiedensten Sprachen der Erde Menschen von Jesus zu erzählen, von der Liebe und der Gnade Gottes, die mit diesem Jesus von Nazareth für alle offenbar geworden ist.

„Entfache die Gnade Gottes wieder“

Auch heute ist Gottes Kraft und Energie an vielen Orten zu spüren. Denn wie Viele setzen sich ehrenamtlich für andere ein und entfachen damit Mitmenschlichkeit, Wärme und Gemeinschaft. Manchmal ist es vielleicht eher wie ein unscheinbares Glimmen und manche wollen auch nicht viel Aufhebens aus ihrem Engagement machen. Und doch haben sie damit Anteil an der Energie, dem Feuer Gottes.

Ob es nun glimmt oder auch richtig lodert, als christliche Gemeinde wollen wir etwas weitergeben von der Liebe Gottes.

Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.

 Gottes Gnade ist uns geschenkt. Oder um es im Bild des Entfachens zu sagen: Wir haben nicht das Zündholz in der Hand, mit dem wir das göttliche Feuer zum Leuchten und Lodern bringen können. Aber wir können aus der Glut der göttlichen Gnade immer wieder Funken schlagen und seine Gnade zum Entflammen bringen.

Es grüßt Sie herzlich

Ihre  Sonja Domröse, Pastorin und stellv. Vorsitzende der Stader Bibel- und Missionsgesellschaft

Andacht zum 7. Sonntag nach Trinitatis - Pastor Axel Rothermund, Harsefeld

Abendmahl aus der Tüte

Wir haben es getan. Nun schon zum zweiten Mal. Wir haben im Gottesdienst Abendmahl unter Corona-Bedingungen gefeiert. Das meiste war so, wie gewohnt: Auf dem Altar standen die Abendmahlsgeräte. Bis zum Abendmahlsteil bedeckt mit dem Velum, einem weißen Leinentuch. Zur Abendmahlsliturgie wurde das Tuch abgenommen. Bei der Liturgie wurde, wie gewohnt der Teller mit den Oblaten und der Kelch erhoben. Nur bei der Austeilung hieß es nicht: „Und nun kommt, denn es ist alles bereit“. Denn jeder blieb an seinem Platz. Es hieß nur: „Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist. Wohl dem, der auf ihn traut.“ Und nun kamen die Tüten ins Spiel. Jeder hatte am Eingang eine Tüte mit einem Abendmahlssymbol bekommen. Darin befand sich – hygienisch verpackt – eine Oblate und eine Weintraube. Die Tüte sollte mit an den Platz genommen werden, damit jeder sie bei der Austeilung vor sich hatte.

Nun wurde sie geöffnet. Zu den Worten „Christi Leib für Dich gegeben“ haben wir dann gemeinsam die Oblate gegessen. Danach, zu den Worten „Christ Blut für Dich vergossen“, wurde gemeinsam die Weintraube verspeist. Danach hieß es: „Das stärke und bewahre Dich im Glauben zum ewigen Leben. Amen.“

Was meinen Sie – durften wir das so machen? War das ein einsetzungsgemäßes Abendmahl? Die Teilnehmer haben jedenfalls überwiegend positiv reagiert. Als Pastor habe ich selten eine so intensive und konzentrierte Abendmahlsfeier erlebt. Mache, die gemeinsam in der Bank saßen, haben sich die Abendmahlsgaben sogar gegenseitig gereicht. Gerade in Corona-Zeiten brauchen wir die Stärkung durch das Abendmahl ganz besonders.  Vielleicht ist das Abendmahl aus der Tüte eine Möglichkeit dazu.

Axel Rothermundt ist Pastor in Harsefeld und seit Juni 2018 Mitglied im Vorstand der Stader Bibel- und Missionsgesellschaft e.V.